Die schönsten Worte.

… des Jahres stehen für mich schon jetzt fest.

Ich bin früh dran mit dem Jahresrückblick, besonders wenn man bedenkt, dass ich dieses Wissen schon im Sommer hatte. Die drei stärksten literarischen Werke 2017 für mich sind diese:

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Besonders entzückt bin ich, da es sich ausschließlich um Werke von Schriftstellerinnen handelt. Überhaupt bin ich sehr froh, dass ich im Lesejahr 2017 mal wieder etwas erleben durfte, was man Genuss nennen kann. Manchmal liest man, weil man über die Bestseller etwas wissen oder sagen möchte. Manchmal liest man aufgrund von Empfehlungen oder weil es sich um den Lieblingsautor handelt. Doch Lesegenuss garantiert das bei weitem nicht. Ich spreche von jener Freude am Lesen, die einen den ganzen Tag an die Geschichte denken lässt und sich auf den Abend freut, an dem man das Buch endlich wieder in Händen halten kann. Ich kann nur für mich sprechen, doch diese Freude, diese Lust sucht mich nur selten heim.

Neben der Euphorie darüber bewegte mich auch eine andere Frage: Schreiben Frauen anders? Warum? Und ist das für mich als Leser wichtig, wer die Geschichte erzählt? Vielleicht können wir uns irgendwann zu diesem Thema unterhalten, es klingt spannend …

Heute will ich euch jedenfalls von den Büchern vorschwärmen, die mich weinen, lachen, seufzen, verstehen und stolpern ließen. Sie nahmen und nehmen noch immer viel Raum in meinem Gedankenunsiversum ein. Ich gebe ihn gern.

Die drei Bücher, die meine Top 3 Liste bilden, könnten unterschiedlicher nicht sein. Eines ist eine Novelle, das andere ein Tagebuch, und das dritte ein Krimi. Klingt das nicht nach einer ganz hervorragenden Mischung?

Ich liebe Novellen, am liebsten lese ich diese Form von Erzählungen. Durch ihren Umfang, der in der Literatur ja eigentlich keiner ist, zwingen sie die Geschichte auf den Punkt zu kommen. Sie können sich keine Ausschweifungen leisten, müssen trotz Knappheit in der Lage sein, ein Universum zu öffnen. Magret Kindermann gelingt es, und zwar ganz vorzüglich.

„Das denken Sie jetzt. Doch wenn Sie einmal schweigen, ist das wirklich nicht leicht zu brechen. Wirklich. Das nächste Wort muss ja besser als Schweigen sein, es darf nicht gewöhnlich sein, denn weshalb gehört es nach der Stille sonst ausgesprochen? Das Wort würde ein echter Schwerthieb werden, die Achse, um die sich ihre Beziehung dreht. Und Sie wollen nach dem Salz fragen?“

(Zitat aus Tulpologie von Magret Kindermann, TWENTYSIX)

Magret Kindermann schreibt knapp. Ich mag Knappheit und ich weiß, wie schwer es ist, Geschichten auf diese Art einzufangen. Die Autorin schafft es mit Sätzen wie „Das musste die Erkenntnis der Vergänglichkeit sein.“, eine ganze Gedankenflut auszulösen. Magret Kindermann schreibt Geheimnisse. Ihre Sätze sind codiert, denn sie erzählen auf der ersten Ebene die Geschichte und bringen sie voran, und auf der zweiten Ebene erzählen sie vom Leben. Von all seinen Fragen. Meist entdeckt man in den zweiten Ebenen auch einen Hinweis zur Antwort. Das, liebe Leser, ist Kunst! Geht und entdeckt diese wundervolle talentierte Autorin!

Luc und sein Tagebuch. Ach. Der Schneepoet von Nika Sachs wurde bereits vor Erscheinen heftig diskutiert; ganz besonders ging es um die Frage, welches Werk etwas in den (großen) Verlagshäusern zu suchen hätte und warum und wer das zu entscheiden hat. Spannende Frage? Unbedingt! Und es ist nur eine von ersten Wellen, die sich momentan zu einem Meer auftürmen, welches die sichere Küste der Verlage umspülen will und wird. Auch darauf können wir sehr gern zurückkommen. Doch nun zum Schneepoet. Einen Tagebuchroman lesen klingt riskant? Natürlich! Warum man das Risiko dennoch eingehen sollte?

Zum Glück hört er mir weitesgehend vorwurfsfrei zu und ködert meine Kooperation bezüglich emotionaler Offenheit mit einem Versprechen. Ich weiß, dass er es halten wird, da ist er konsequent. Ich soll ihn jederzeit mit meinem Beziehungsschutt zumüllen. Solange ich mich um Lösungsansätze kümmere, ist er frei von Zynismus für mich da. Wenigstens etwas. In den letzten Jahren war sein allerwelthassender Sarkasmus oft genug ein Streitpunkt zwischen uns.

(Zitat aus Schneepoet von Nika Sachs, TWENTYSIX)

Nika Sachs redet gern in Schachteln, nicht nur, wenn es sich um Monologe handelt. Das Besondere an ihren verwobenen Sätzen ist das Ausmaß. Man verleibt sich dieses 5-Gänge-Menü von einem Satz ein, und erst nach einiger Zeit gelangt die Aussage über den Blutkreislauf ins Hirn und fängt dort an, Gedankengänge anzukurbeln, die schon mal einige Tage dauern können. Mitunter auch Wochen. Zuerst schmeckt man Sarkasmus und Ironie, mit ganz feinem Wortwitz im Abgang. Und dann, während der Verdauung, wird einem klar, dass es ja gar nicht witzig war, was da gesagt wurde. Dass es wahr und tragisch und echt ist. Unheimlich authentisch. Vielleicht ist es ja auch Zwang, dass man schmerzhafte Wahrheiten in buntes Papier einwickeln muss, damit man mehr Spaß am Auspacken hat? Nika Sachs gelingt das. Und das ist Kunst. Das, liebe Leser, ist Kunst!

Das dritte Werk ist ein Krimi von Bestsellerautorin Nicole Neubauer. Krimis lese ich kaum, darum ein doppeltes Juhu! Scherbennacht ist der dritte Teil der Waechter Reihe, und wurde bald nach Erscheinen als der beste gehypt. Ich war skeptisch. Niemals, dachte ich, kann ein Band meinem Schatz Moorfeuer (2.Teil) das Wasser reichen. Tja. Nun sitze ich da. Tatsächlich ist der dritte Teil der beste. Ich weiß gar nicht warum 😉 Er ist urban, zwar noch regional, doch für mich als Leser nicht mehr um die Ecke mit dem Donaumoos und Schauplätzen hier im Nachbarort. Warum also? Zuerst einmal ist die Scherbennacht ein wahrer Pageturner. Blödes Wort, doch ich benutze es, weil ihr alle wisst, was damit gemeint ist. Ich saß auf der Couch, außer Atem, die Decke um die Schulter gezogen und … weiter weiter weiter! Nicole Neubauer zaubert ohne Monologe und Schachteln. (Na klar, Krimi!) Es ist mir ein Rätsel, wie man es rein durch Dialoge und Handlungen schafft, Personen so klar zu zeichnen und ihnen einen Charakter anzuheften. Dies kommt mit einer Selbstverständlichkeit daher, dass ich ganz baff bin. Und die Autorin ist geduldig. Vielleicht erzählt sie gar stoisch. Sie weiß ja alles über ihre drei Protagonisten, und die sind alle nicht ohne, ganz und gar nicht! Dennoch wartet sie und findet dabei immer das richtige Tempo. Ich persönlich wollte im ersten Teil schon wissen, welches Geheimnis Waechter mit sich trägt, doch die Autorin kann ausharren und bringt mich als Leserin dazu, es ebenfalls zu können. Auch das ist Kunst! Das, liebe Leser, ist Kunst!

„Und der arme alte Waechter ist mal wieder der Letzte, der das erfährt.“ Er grunzte und stellte ein alkoholfreies Bier auf sein Tablett. „Ach, Michi. Du weißt, dass er gerade erst mit einem Wahnsinnigen mit einer Maschinenpistole diskutiert hat. Er hat das großartig gemacht.“ „Überfordert gewesen, alle Regeln gebrochen, ohne jeden Plan in die Gefahr gerannt und trotzdem am Ende irgendwie das Schwert aus dem Feuer gezogen.“  „Yeah, so kennen wir Hannes. Großartig.“

(Zitat aus Scherbennacht von Nicole Neubauer, Blanvalet)

Ich bedanke ich bei den Autorinnen für diese Geschichten! Sie sind ein Stück Kunst, an dem ich teilhaben darf, und dafür bin ich dankbar. Nicht nur für den Lesegenuss und für die Suche nach Antworten auf Fragen, die diese Werke gar kunstvoll in mir wecken, sondern auch für Inspiration und Vorbild.

Und nun, liebe Leser, lest diese Werke. Und erzählt mir von euren Highlights 2017!

Liebe Lesegrüße und ein buchstabenreiches Restjahr.

Danke.

Ach, jetzt sind es schon wieder vier Wochen. Vier Wochen, in denen ich auf der Buchmesse war, Projekte geplant und andere Projekte vorangetrieben habe. Ich möchte mich bedanken bei euch! Ihr habt unsere Anthologie gekauft, gelesen und bewertet, ihr habt uns auf der Buchmesse in Frankfurt besucht und uns glücklich gemacht.

Ich bedanke mich auch bei allen Lesern dieses Blogs, besonders für die Treue und die Geduld. Und ein Herzliches Willkommen an die vielen neuen Follower!

Derzeit beende ich und beginne neue Projekte. Ich hoffe, euch bald davon erzählen zu können. Und ihr? Was treibt ihr so?

Ein wundervolles (verlängertes) Wochenende wünsche ich, genießt die letzten Laubregenstürme!

Liebe Grüße, Julia

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Na? Findet ihr die Sehnsuchtsfluchten?

Schöpfen und Schreiben.

Ich möchte mich ganz herzlich bei euch bedanken! Ich bin überwältigt, wie viele Reaktionen ich auf meinen letzten Beitrag von euch bekommen habe, die meisten auf Twitter, einige in Mails. Vielen Dank!

Die Essenz aus dem, was ihr mir geschrieben habt, ist für mich: Disziplin. Egal, ob ich mich in Geduld üben sollte, warten, am aktuellen Projekt arbeiten, überarbeiten – all das hat mit Konsequenz zu tun. Mit euren verschiedenen Erfahrungen und Konflikten, die euch beim Schreiben begegnen und wie ihr damit umgeht, habt ihr mich nicht nur inspiriert, sondern auch motiviert. Ihr habt mich geschubst. Schreiben ist Arbeit. Das, was nach der Idee kommt, nach der Manie, nach dem Drang, sie einzufangen und so auszuleuchten, dass sie dem Bild im Kopf zumindest nahe kommt, ist anstrengend.

Weltenwandler zum Beispiel sagt: „Die Ideen sind nicht beleidigt, wenn sie irgendwo warten, bis das aktuelle Projekt fertig ist. Man kann auch nur in Ideen leben, willst Du?“

Tja, da hat er mich ordentlich erwischt 😉

Francis bringt es ebenfalls auf den Punkt: „Man hat ja leider nicht die Zeit, um an allem gleichzeitig zu schreiben. Da muss man halt Prioritäten setzen.“

Richtig. Das gehört zur Arbeit des Schreibens.

Magret ist diszipliniert und treu: „Wenn ich ein Projekt beendet habe, will ich es erst überarbeiten, ich will dann gar nichts anderes anfassen.“ Ein guter Tipp von ihr: „Eine Stunde arbeiten, ein Stunde etwas anderes machen.“ Sozusagen Pflicht und Kür auf der Waagschale. Auch sagt sie etwas sehr interessantes, worüber ich seitdem nachdenke: „Etwas Neues anfangen, während Dinge noch nicht beendet sind, ist anstrengend. Das ist für mich unbefriedigend.“

Ha! Das stimmt! Daraus kann ich gut für mich schöpfen. Es ist tatsächlich Mehrarbeit, da das nicht fertige Projekt im Hinterkopf jammert und quengelt und Raum und Energie beansprucht. Raum, der für das Neue vonnöten wäre.

„Du schuldest es dem Projekt, dass du es von vorn bis hinten führst und das Beste aus ihm herausholst. Vielleicht hilft dir dieser Gedanke.“ Ja, das tut er. Vielen Dank dafür, liebe Magret!

Manfred leidet ebenfalls am Gedankenüberschuss. Er löst es mit Struktur: „Mit meiner Lektorin hatte ich einen festen Zeitplan festgelegt, und nach ihm gearbeitet. Und manches Kopfkino muss ich gar nicht aufschreiben. Das reicht dann, wenn es in mir abläuft.“ Hm, sehr interessant. Er hat recht. Manche Geschichten sollte ich vielleicht einfach für mich behalten. Auch darüber denke ich nach.

Und nun schließe ich die offenen Dateine mit angefangenen Dingen und überarbeite mein aktuelles Herzprojekt. Ich danke euch!

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Was Wie Wo schreiben?

Nach der Inspiration kommt der Leerlauf, oder?

Als Autorin bin ich ja am meisten auf Twitter unterwegs, wo man viel mitbekommt, woran die anderen Schreiber so leiden. Die zwei häufigsten Leiden: Ideenmangel und Ideenüberschuss. Ich leide an letzterem. Und immer mehr frage ich mich, ob es wohl eher Managementmangel heißen sollte.

Dass ich leidenschaftlich schreibe, wisst ihr ja schön länger. Ich brauche diese Leidenschaft, eine Idee muss mich einholen, muss mich fangen und festhalten. Sie geißelt mich so lange, bis ich mir ihrer in dem Ausmaß angenommen habe, wie sie es verdient hat. So geschehen mit Das Flüstern der Pappeln. Auch das letzte Herzprojekt habe ich in einigen Wochen wahnhaft niedergeschrieben, mitten in der Abschlussphase meines großen Projektes „Nathen“.

Natürlich ist das Risiko namens Prokrastination extrem hoch, wenn man einen Ordner voller neuer Geschichten, Gesichter und Kribbeln hat. Kann es also sein, dass ich mich so davor drücke, bestehende Projekte zu überarbeiten, auseinanderzunehmen und anders wieder zusammenzusetzen? Sie auszubauen; kürzen, ändern, besser machen?

Wie geht es euch hinsichtlich dieser Situation? Kennt ihr sie überhaupt? Wie geht ihr damit um? Habt ihr Tipps für Zeitmanagement, macht ihr Pläne? Und woher holt ihr Motivation für Schreibstunden, an denen man sich seufzend an das Projekt setzt?

Liebe hoffnungsvoll seufzende Grüße …

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Nebel empfängt dich.

Wie jedes Jahr um diese Zeit sage ich, dass ich zurück in Deutschland bin. Aber nur zur Hälfte.

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Was macht man mit dieser einen Hälfte? Was mit der anderen, die noch irgendwo steckt und dort nicht weg will, warum auch immer?

Aus dem Urlaub habe ich auch zwei neue Ideen für Geschichten mitgebracht und sie sofort niedergeschrieben. Wie immer haben mich Küste, Meer, Nebel und Menschen unheimlich inspiriert. Und Bäume. Natürlich.

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Ich zeige euch heute ein paar Bilder. Auch ihr hattet, wie ich hoffe, einen wunderbaren Sommer und Urlaub! Freuen wir uns gemeinsam auf den Herbst, er verzaubert …

 

 

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Schreiben. Lesen. Pause.

Nachdem ihr gestern das letzte Interview aus den Sehnsuchtsfluchten gelesen habt, verabschiede ich mich heute in den Sommerurlaub. Nun, Sommer ist es nicht mehr wirklich, und dort, wohin ich fahren werde, erst recht nicht, doch das stört nicht. Ich mag Wind und Wetter und Sturm.

Ich möchte mich ganz herzlich bedanken: Bei all denen, die mit mir geschrieben haben. Die mich inspiriert haben. Danke an alle Autoren, die an der wundervollen Anthologie beteiligt waren, Danke für eure Mühen und immer wieder aufwallenden Gedanken und Diskussionen, die mich beflügelt haben und immer inspirieren! Und natürlich geht ein sehr großes Danke an die Leser, die nun zum Zuge kommen!

In den letzten Wochen habe ich geschrieben und auch endlich mal wieder gelesen. Viel und parallel gelesen, auch nach Empfehlungen. Ich hoffe, im Herbst die Zeit dafür zu finden, euch davon berichten zu können.

Ich wünsche euch eine wundervolle Zeit, hastet oder rastet, ganz wie es euch beliebt, wir lesen und hören uns im Herbst wieder.

Liebste Grüße, Julia

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