Vertraue …

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… Deinem Festival.

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Ja, tu es! Das Maifeld Derby Festival, nicht nur für mich ein jährlicher Herz-Pflichttermin, ist immer verlässlich, wenn es darum geht, Menschen mit Gitarren auf Bühnen zu holen, die einen verzaubern. Dieses Jahr ganz groß geschehen bei Roo Panes. Das sitzt man tatsächlich mit offenem Mund und weiß erstmal nicht weiter. Allgemein hat mir mein Lieblingsfestival noch nie so viel Freude bereitet wie am vergangenen Wochenende. Gleich der erste Akt war ein Volltreffer, und so ging es munter weiter. Ich erinnere mich, wie wir die vergangenen Jahre immer mal auf den Grünflächen rumlagen, aber 2017 – nichts. Es haben sich viele zu viele gute Bands und Künstler aneinandergereiht. Von den Parallel-Auftritten will ich hier mal gar nicht anfangen …

 

Richtig erwischt hat es mich bei Moderat. Obwohl im Festival-Büchlein als Elektronische Konzert-Tanz-Messe allerhöchster Güte angepriesen und vorher am Merch schon alles weg, hat es mich eher zufällig ins Palastzelt verschlagen. Dem Musikgott sei Dank! Ich mag ja eher handgemachte Musik, aber im Sommer muss es Beat sein. Und Moderat verbinden Stimme, Melodie und Wumms! auf so eine fantastische Art und Weise, dass mir ganz anders wird. Da mag ich gleich die ganze Nacht durchtanzen und so. In nächster Zeit werde ich euch immer mal von den Acts berichten, die mir am besten gefallen haben an diesem wundervollen Wochenende in Mannheim. Duchmischt mit Literatur, denn da gibt es ebenfalls Großes zu berichten! Nun gehet und singt.

 

 

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Die Stimme eines schmeichelndes Teufels.

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Oder: Er hielt mich mit der ganzen Kraft seiner Besessenheit fest.

Stephen King ist besessen. Er ist hingerissen von dem Gedanken an die Suche nach einer Tür, die uns zu dem führt, das nach dem Tod auf uns lauert. Das wissen wir seit Friedhof der Kuscheltiere. Und was bei der dieser Suche rausgekommen ist, wissen wir auch. Nichts Gutes.

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Bei The Revival ist es gleich und ganz anders. King schreibt über das, über was er am besten Bescheid weiß. Den Mensch und all seine Abgründe. Sie scheinen auf den ersten Blick nicht so tief und dunkel zu sein, doch Abgrund ist Abgrund. The Revival liest sich wie eine Biographie, auch bei Dolores war das schon so. Während es sich bei den meisten Werken meines Großmeisters um aktuelle Ausschnitte des Protagonisten – eine Jetzt-Aufnahme – handelt, zeichnet King in diesem Roman das gesamte Leben vom sechsjährigen Jamie bis zum einundsechzigjährigen Jamie. Ein Mammutprojekt! Nicht nur als Leser frage ich mich, wie man das überwindet ohne Längen. Leider gelingt das nicht. Das, oder es ist meiner eigenen Ungeduld geschuldet. King erzählt gern. Allerdings lese ich ihn wieder lieber als zu der Zeit, als Puls erschien. Da redete und redete und redete er nur. Und die Längen in Revival verzeihe ich, dennoch überlege ich, ob und wie man sie verhindern könnte. Es gibt ein Kapitel im Buch, eher ein Geschehen, bei dem ich das Gefühl hatte, der Autor langweilte sich damit. Es war nötig, um Logik und Fortlauf aufrecht zu erhalten, doch es war öde. Hm. Was also tun?

Interessant ist auch der Fakt, dass sich das Finale auf einen recht kleinen Teil beschränkt. 124 von 509 Seiten. Ist das jetzt viel oder wenig? Das eigentliche Ende, und mit Ende meine ich WAS?, ist etwa 40 Seiten lang. Und dieses Ende würde ich mir gern auf ein Shirt drucken lassen. Das ist King. Hier kommt der Horror. Vorher, in dem ellenlangen Text, in der die Liebe des Autors zum Erzählen zum Vorschein kommt und der auf das Ende … vorbereitet, geht es um die Menschen. Um ihr Bestreben, mit der Welt fertig zu werden und den Preis, den das mit sich bringt. Bei King geht es immer um einen Preis. Wir alle müssen zahlen. Und es geht wieder um Musik. Jamie, unser Held, ist Musiker, und wer nicht wirklich alle Details über ein Leben als Musiker lesen will, der sollte die Finger davon lassen. King kennt sich aus, und mehrere Male überkam mich das Gefühl, er muss beinahe zwanghaft berichten. Wie eine Schuld, die er zu bringen hat. Ach, ich rede nur 😉 Um Schuld geht es auch in The Revival. Um Drogen und Sucht und Krankheit; die Schuld steht jedoch an erster Stelle. Das hat mir gefallen. Dieser enorm dicke rote Faden.

Ich könnte noch endlos weiter reden, höre aber jetzt auf. Ich bin King Fan, seit ich zehn Jahre alt bin, das wisst ihr ja …

In wenigstens einer Hinsicht ist unser Leben wirklich wie ein Film. -Erster Satz aus The Revival. Hallo Simon! 😉

Das Leben ist ein Rad, und es dreht sich immer wieder dahin, wo es angefangen hat.

Nun mag man vielleicht sagen, ich hätte es trotzdem sehen müssen, da eigentlich sämtliche Teile vorhanden waren, aber ich bin Gitarrist, kein Detektiv, und was deduktive Fähigkeiten angeht, war ich nie der Schnellste.

So führen wir nämlich unsere eigene Verdammnis herbei – indem wir bewusst die Stimme überhören, die uns anfleht innezuhalten.   

Überschrift sowie der erste Satz: Zitat aus The Revival von Stephen King. Alle anderen Zitate sind gekennzeichnet.-

Der Juni tanzt.

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Bevor es hier wieder um das Literarische geht, wird getanzt und gesungen! Ihr wisst ja, dass ich jedes Jahr das ganz wundervolle Maifeld Derby heimsuche, und das steht tatsächlich schon nächste Woche an! Der Juni ist Musik.

Zwar noch Mai, aber schon ziemlich am Ende, besuchte ich das Konzert der einmaligen The Dead South. Von diesen stampf – und spielwütigen Herren habe ich euch schon einmal erzählt. Bluegrass – da rümpfen viele erst einmal die Nase. Hab ich auch, da bin ich ehrlich. Aber auf diese Art und Weise lasse ich mich gern belehren! Das Muffatwerk war ausverkauft, und zwar sehr bald, nachdem es die Karten zu erwerben gab. Auch waren viele Konzertbesucher textsicher. The Dead South haben hierzulande eine größere Fangemeinde, als ich dachte. Nett!

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Eric Mehlsen, Cellist der Band, spielte ala Del Suelo im Vorprogramm. Seine Vorstellung begann damit, dass er dem Publikum erzählte, er hätte eine Novelle geschrieben und diese dann in Kapiteln vertont. Tja, nun ratet mal, wer davon extrem hingerissen war …

Die Geschichte, die dann folgte, war eher eine Reise. Und wunderschön. Eric singt und musiziert eher ruhig. Und dennoch sind es große Geschichten, zu denen er einlädt. Besonders hat mir das Darling of the Desert gefallen, und es ist noch immer mein Liebling auf dem Album, welches ich mir zusammen mit dem Buch am Ende der Show geholt habe. Hach …

Mai

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Eines schönes Wort als Überschrift, oder? Ja, ich war lange nicht mehr hier, sehr lange sogar. Dafür habe ich heute etwas Schönes, das ich mit euch teilen möchte: Ich wurde interviewt!

Ich rede unheimlich gern über Bücher, und noch lieber über das Schreiben. In dem Interview von Kia Kahawa zur #Autorinnenzeit ging es um vieles, was ihr schon von mir kennt. Und vielleicht entdeckt ihr etwas, was ihr noch nicht kanntet.

Auf jeden Fall wünsche euch viel Vergnügen mit dem Text!

 

http://www.kiakahawa.de/index.php/2017/05/04/fuer-seine-emotionen-in-den-kampf-ziehen/

 

Versatile Award!

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versatile-blogger-awardSchaut mal; was für eine wundervolle Nominierung! Ich finde es tatsächlich nicht nur abwechslungsreich, sondern auch sehr spannend, zu jemandem zu sagen: Erzähl doch mal! Das gefällt mir sehr. Nominiert hat mich der großartige Simon Segur, der neben seiner Reise durch Eis und Endzeit unermüdlich auf der Suche nach Zeit ist, um wunderbare Blogeinträge zu erfassen. Und für alle, die seinen Frankfurtroman noch nicht gelesen haben – Jetzt aber zackig! Er ist wahrlich toll, und eine der Figuren bekommt hoffentlich ein SpinOff, denn ich habe mich ein bisschen in sie verguckt.

Nun zu den Fakten.

  1. Ich habe mit neun Jahren angefangen, heimlich die Stephen King Bücher meiner Mama zu lesen. Was das mit mir gemacht hat, will ich natürlich nicht so genau wissen, doch eines ist sicher: Die Leidenschaft, eine Geschichte so zu erzählen, dass jeder, der sie liest, ein Teil von ihr wird, hat mich für immer geprägt und wird es auch immer tun.
  2. Ich höre (meistens leider) auf Impulse, statt auf Vernunft. Jedes Jahr am 31. Dezember ist mein Wunsch für das nächste Jahr, erst zu den20160830_150118.jpgken und dann zu reden. Lange hält das nicht an.
  3. Ich bin ein Kind der Natur. Ich liebe Erde, Wasser, Wiesen und Bäume. Ganz besonders Bäume. Ich kann mich stundenlang damit beschäftigen, sie aufzusuchen und sie in Bildern festzuhalten. Ich bin einmal durch Morast gewatet, um die Rinde einer Pappel zu berühren.
  4. Alles, was extrem ist, ist mir zuwider. Das könnte ich ausschmücken, hier beschränke ich mich jedoch auf die Jahreszeiten. Vor dem Sommer verstecke ich mich, und zwar jedes Jahr aufs Neue. Ich mag hingegen alles, was mit Übergang zu tun hat. Frühling und Herbst passen da ja wunderbar dazu.
  5. Ich bin genusssüchtig. Auf ziemlich allen Ebenen.
  6. Ich habe Alpträume. Vermutlich ist es klug, hier mal zu Punkt Eins zu schielen. Sie begleiten mich mein Leben lang, und das Schreiben, überhaupt alles Künstlerische, ist ein guter Weg, damit umzugehen. Inzwischen sind wir eine Zweckgemeinschaft, tatsächlich sind meine besten Texte aus der tiefsten Dunkelheit der Nacht gekrochen. Wenn ich zu mild träume, weiß ich, dass ich genug schreibe. Und andersherum.
  7. Der Gedanke, irgendwann hauptberuflich zu schreiben, ist keine Option, sondern ein Ziel.

Uhhh, das war ja sehr … interessant. Nominieren möchte ich gern jeden, der das hier liest. Es ist tatsächlich spannend, etwas zu lesen, was nicht auf einer gestellten Frage beruht. So, als wäre es ein Geschenk. In diesem Sinne: Erzählt mal!

Eis und Blüte

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Einen recht schönen guten Tag wünsche ich! Ja, lange hab ich nichts von mir hören lassen, vieles ist geschehen und das Meiste davon; na gut-alles; hat mit dem Schreiben zu tun. Direkt oder eben nicht so direkt.

Der Frühling naht, letzte Woche durften wir ihm schon winken, doch noch ziert er sich. Und ich nutze dieses kleine Gerangel zwischen den Jahreszeiten, euch zu zeigen, was ich auf meinen Wanderungen alles so gesehen habe. Noch immer ist die Natur neben dem Reisen und der Musik Inspiration Nummer Eins für mich.

Wie habt ihr den Winter verbracht? Mögt ihr die Kälte oder sehnt ihr euch lieber in wärmere Gefilde?

In Kürze gibt es wieder mehr hier zu lesen und zu hören, und ich werde euch erzählen, was alles so spannendes geschehen ist …

Ganz liebe Grüße, Julia

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Die schlurfende Frau

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Er nippte an der Tasse und verzog das Gesicht. Er mochte es, wenn der Schmerz sich durch seine Lippen fraß und bis in die Augen zog. Heißen Tee zu bekommen, war nicht einfach. Bevor er in der Küche ausgeschenkt wurde, ließ man ihn abkühlen. Et war warm, ja. Aber brühend heiß war er nicht. Und bis er auf dem Wagen in den linken Flügel gekarrt war, war er sowieso abgekühlt.

Manuel hatte nach einer Thermoskanne gefragt, und da die Idioten hier nicht wussten, wie man sich aus den schön gebogenen Scherben eine wundervolle Kralle basteln konnte, wurde ihm eine erlaubt. Und wenn Schwester Monika Dienst hatte, bekam er eine Kanne frisch gekochten Tee auf sein Zimmer gebracht. Monika war keine Schwester, sondern nur eine dämliche Putze, die manchmal in der Küche aushalf. Und Manuel war sich sicher, dass sie das nur machte, um sich vollzufressen. Der eine Suchti erkennt den anderen sofort. Und so hatte er auch gleich gecheckt, dass die Putze sich einen abfreute, wenn er sie Schwester nannte. Sie fraß ihm aus der Hand.

Monika war dämlich, doch nicht dämlich genug, um die Kanne vor den anderen nicht zu verstecken. Sie wusste sicher nicht, warum sie es tat, nur, dass es gegen eine Regel verstieß. Gegen welche Regel wusste sie vermutlich nicht, nur dass es ganz bestimmt irgendeine geben würde. Dieser ganz Scheißhaufen hier roch nach Regeln.Mit Regeln kannte Manuel sich aus. Er wusste, welche es gab und wie man sie umgehen konnte. Und so hatte er das mit der Kanne hingekriegt und das mit dem illegalen Transport von kochendem Wasser.

Drüberkippen konnte er sich das Zeug nicht, und auch nicht den anderen. Und so trank er es halt, einen Schluck nach dem anderen. Die inneren Verbrennungen sah keiner.

Manuel stand im Rahmen seiner Zimmertür und blickte auf den Flur, die Tasse an den Lippen. Wenn er sie das nächste Mal sehen würde, würde er einen Schluck nehmen, und zwar einen großen. So war der Plan.

Es war nicht so, dass sie sehen wollte. Er hatte eine scheiß Angst vor ihr. Und zuerst war sie auch ja ferngeblieben. Er hatte sie nur gehört. Dieses Schlurfen. Doch seit dieser Nacht war sie erschienen, sie schlurfte durch den Flur und machte ihm eine scheiß Angst. Seit der Nacht, in der die Verrückte aus dem rechten Flügel durchgedreht und im Leichensack abgeholt worden war; kam die schlurfende Frau jeden verdammten Tag und grinste ihn an. Das Grinsen war das Schlimmste. Das und ihre komisch nach oben gebogenen Hände. Wie Klauen. Er hatte sie gehört, das Schlurfen kannte er ja; er erinnerte sich an keinen Tag ohne das Geräusch. Und seit zwei Tagen klang es anders. Er wusste, dass sie da war. Er war in der Nacht aufgewacht und hatte sich aus dem Zimmer gestohlen. Und da hatte er sie gesehen. Es war ein großer Kasten, was er sah. Der Kasten hatte oben einen gebogenen Kopf, wie ein Vogel. Und vorn die Klauen. Und dann hatte sich der Kasten umgedreht und war auf Maunuel zugekommen.

Er hatte schon einiges gesehen, vor allem Blut. Und das, was Thomas mit der Göre im Waschraum gemacht hatte, war ja nun wirklich nichts gewesen. Er hatte sich nicht einmal geschnitten. Höchstens ein wenig geritzt.

Und alles Blut war nichts gegen den Scheiß, der sich jetzt jede Nacht auf dem Flur abspielte. Der Kasten, der über die Fliesen schlurfte. Der sich umdrehte und sein Vogelgesicht zeigte. Das Gesicht einer Frau.

Seitdem stand Manuel auf dem Flur, den ganzen Tag lang. Er wollte sich den Anblick aus dem Gesicht brennen. Und jetzt, als er so stand, dachte er an eine Rechnung. Er war nicht der Hellste, doch er konnte Eins und Eins zusammenzählen. Die schlurfende Frau war aufgetaucht, als dieses Scheißkind durchgedreht war, richtig?

Richtig, dachte Manuel und führte die Tasse zum Mund, als er das Schlurfen hörte. Da musste man doch was machen können.

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-eine Erzählung aus Nathen