Zwischen dreißig und vierzig muss man brennen.

Ich habe mein book-sightseeing beendet. Fündig geworden bin ich auch. Und da sich das Wetter zurzeit sehr lesefreundlich zeigt(Sorry, liebe Freaks aus Berlin für meine fehlerhafte Prognose!), ist der Stapel bereits kleiner.

Ich begann mit Das war ich nicht von Kristof Magnusson. Magnusson schreibt Romane, Drehbücher; übersetzt und ist Träger zahlreicher Preise und Stipendien. Das war ich nicht wird mit guten Kritiken überhäuft, „ein Werk voller Witz und Wunder“, sagt etwa die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, „Zum Schreien komisch, berührend und klug.“, urteilt NDR, und die Süddeutsche Zeitung meint: „Pures Lesevergnügen.“

Anhand dieser Überhäufungen wohlwollender Kritik, traue ich mich kaum, es zu sagen: Mich hat das Buch nicht überzeugt.IMG_2140[1]

Die Idee und die Geschichte an sich finde ich sehr gut. Auch die Charaktere sind wohl überlegt – ein Jungspund-Banker unter Leistungsdruck, der in einer Sinnkrise steckt, eine Mittdreißigerin, die ihr Geld mit Übersetzungen von Romanen verdient und in einer Lebenskrise steckt; und letztlich ein berühmter Romancier, der am Ruhm sowie am Leben leidet. Diese drei Figuren, von denen jede einzelne schon ein Riesengepäck an Ballast und erzählwürdigen Geschehnissen mitbringt, spielen die Hauptrollen in dem 280 Seiten Roman. Die Geschichte wird abwechselnd erzählt, immer abwechselnd aus den drei Perspektiven, und das in der Ich-Form. Nachdem die Schicksale einzeln beleuchtet werden, wachsen sie schließlich zusammen.

Schnell, hektisch, fiebrig. Für diesen Erzählstil gab es Preise, mir persönlich gefällt es nicht. Punkt. Meines Erachtens hätte jede Figur einen eigenen Roman verdient, wenigstens eine Novelle oder zumindest mehr Raum. Ich hätte gern mehr Zeit mit ihnen verbracht, sie näher kennen gelernt. Dies ist bei diesem Tempo nicht möglich, und wahrscheinlich vom Autor beabsichtigt. Geschmacksache. Genauso wie der Humor. Zum Schreien komisch…wirklich nicht. Ich habe ein paar Mal geschmunzelt.

Versteht mich nicht falsch, es gibt viel Stellen in dem Roman, in denen ich den geistigen Marker angesetzt habe; Sätze, die mich mehr als beeindruckten: „Schon damals hätte ich daran zweifeln müssen, ob es den Ort überhaupt gab, nach dem ich Heimweh hatte, weil jeder Ort, an den ich mich flüchtete, den Nachteil hatte, dass ich mich dorthin mitnehmen musste.“ Und ich mäkel keinesfalls herum wie jemand, der nur die Rosinen aus dem Brötchen essen will. Doch manchmal sollte man sich entscheiden. In verschiedenen Interviews mit Kristof Magnusson erfährt man, dass ihn die Finanzwelt schon seit Teenagerjahren interessiert, und für den Part des Buisnessboys Jasper war eine sorgfältige Recherche nötig, das merkt man dem Roman an, und dem zolle ich Respekt. Allerdings fühle ich mich davon überrollt-Börse und Liebe und Kunst? Kann man verweben. Muss man aber nicht.

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6 Gedanken zu “Zwischen dreißig und vierzig muss man brennen.

  1. Ich habe von Kristog Magnusson vor Jahren mal „Zuhause“ gelesen, was mich damals leider gar nicht begeistern konnte. Deshalb habe ich dann auch nicht zu „Das war ich nicht“ gegriffen, auch wenn es viele gute Kritiken zu dem Buch gab. Deine Besprechung bestätigt mich nun darin, dass dieses Buch wohl in der Tat eher nichts für mich ist. Danke. 🙂

    1. Vielen Dank! Hatte schon ein schlechtes Gewissen und darf noch ein paar Tage die Ausrede benutzen, dass ich neu bin in der Bloggergemeinde 😉 Ich quälte mich ein bisschen mit der Frage, ob man über ein Buch schreibt, welches einem nicht gefällt. Und vor allem: Wie? Das ist ja viel schwieriger als das übliche Geschwärme! Du hast mich also auch bestätigt, vielen Dank dafür zurück!

      1. Diese Frage quält mich auch immer wieder und ich finde es nicht leicht, sie zu beantworten. Grundsätzlich finde ich es aber gut, auch über Bücher zu schreiben, die einem nicht gefallen haben. Schwierig empfinde ich das vor allem aber auch bei Rezensionsexemplaren oder auch deutschssprachigen Autoren, die die Rezensionen lesen können. Ich habe auch schon einige negative Kritiken geschrieben, habe aber immer versucht, dabei diplomatisch zu bleiben.

  2. Ist es nicht überhaupt erstaunlich, wie oft auf den Buchdeckeln der Nation „lustig“, „komisch“ oder „witzig“ steht und man dann überhaupt nicht lachen kann? Über Bücher zu lachen ist genau so subjektiv wie über Comedians zu lachen: Manch einer findet Mario Barth brüllend komisch, andere fühlen sich genervt. Immer seltsam, ein Buch mit dem Prädikat witzig in der Hand zu halten und dann nicht wirklich lachen zu können!;)

    1. Ich leg mal kurz den Suter weg…Klappentexte sind doof, ich schreibe grade einen für meinen zweiten Roman, es gab Beschwerden, dass es zwar eine Leseprobe gibt, aber keine Zusammenfassung. Als Leser sollte man immer fordernd sein! Mario Barth…geht gar nicht, aber der Typ, der die verhaltensauffälligen Hunde der VIPs therapiert, der fetzt. Tja, so ist das halt mit dem Humor. Über Deine Texte kann ich lachen, ich hoffe mal, dass das so gewollt ist 😉 Ach und Verträge aufm Bierdeckel? Bin dabei!

      1. Wer hat sich denn über den fehlenden Klappentext beschwert? Gibts deinen Roman denn schon als ebook zu kaufen? Schick mal nen Link, bitte. 😉

        Dass Du über meinen Unizombi lachen kannst, das ist auch durchaus so gewollt. Wenn nicht, hätte ich eine seltene Gabe: ungewollt lustig zu sein.;)

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