Hat man je solchen Saufraß gegessen?

Sonne. Kaffee. Ernest Hemingway.

Mein Stapel an Büchern ist gewachsen. Komisch, sagt ihr. Von mindestens drei Büchern wisst ihr, dass ich sie bereits gelesen und verräumt habe. Ich musste den Stapel vervollständigen, und zwar mit Werken von Schriftstellern, die Kurt Vonnegut empfohlen hat. Vonnegut war ein großer Anhänger von Kurzgeschichten, genauso wie ich es bin.

Ich sitze also in der Sonne (oh, wie wunderbar!), halte meine Kaffeetasse in der einen und Schnee auf dem Kilimandscharo in der anderen Hand. Kunstloses Schreiben, sagt der Buchrücken über den Inhalt. Wenn das mal kein Understatement ist. IMG_2135[1]

Eigentlich ist es ganz einfach, über eine Geschichte zu urteilen. Es geschieht in den ersten Minuten, ebenso wie es angeblich mit der Beurteilung eines Menschen geschieht, der einem bisher fremd war.

Ich fange an. Ich bin drin. Ich will auch unter einem Akazienbaum sitzen, und noch während ich es mir wünsche, bin ich schon dort und sehe das Geröll im Fluß und jenseits das hohe Ufer. Das ist es. Darauf kommt es an. Die Sehnsucht. Eine Geschichte, eine Novelle, ein Roman, muss dich sehnsüchtig machen, sehnsüchtig nach was auch immer.

Im Moment ist es die Sehnsucht nach der Ferne, nach der glühenden Hitze Afrikas, vielleicht nach einem Abenteuer. Nun ja, ich will keine Löwen schießen wie Francis Macomber, doch ich könnte derweil mit Magaret im Lager bleiben und einen Gimlet trinken.

Hemingway ist mir sympathisch. Weil er sich nie zu wichtig nimmt. Ein Credo, welches bei jedem Schreiber, bei jedem Künstler zählt. Für mich jedenfalls. Doch bleiben wir beim Schreiben. Mark Twain zum Beispiel schreibt herrisch, arrogant und schwebt über mir. Und das nicht nur in Geschichten, in denen er sich Menschen und deren Leben ausdenkt, sondern auch, wenn er über sich selbst schreibt. Das schreckt mich ab, mag er noch so gut schreiben. Als Autor sollte man demütig, als Leser fordernd sein.

Die Geschichten von Hemingway machen es einem einfach. Viel wörtliche Rede, viele Dialoge. Das mag ich. Und Ähnlichkeiten zu Vonneguts Werken kann ich auch erkennen. Es gibt Seiten, da findet man keinen Satz, ohne über ein gottverflucht, verdammt oder Dreckskerl zu stolpern. Mag ich auch. Ruppig, zankend und provozierend. Und sexistisch. Ich muss das sagen, ich bin eine Frau. Und dem Nobelpreisträger wird nachgesagt, ein Macho gewesen zu sein. Ich habe einige Reportagen über Hemingway gelesen, doch ich versuche, mich nicht davon beeinflussen zu lassen. Das, was er uns mitteilen will, halte ich in meiner Hand. Vielleicht mag ich Kurzgeschichten aus diesem Grund besonders gern. Sie sind eine Konzentration der Gedanken aus dem, der da schreibt. Ui, jetzt werde ich aber philosophisch. Liegt vielleicht daran, dass ich weitergezogen bin und nun unter einem Mimosenbaum sitze und in die flirrende Hitze starre. Warum kommt ihr nicht mit?

– Überschrift: Zitat aus Das kurze glückliche Leben des Francis Macomber, Ernest Hemingway –

Advertisements

10 Gedanken zu “Hat man je solchen Saufraß gegessen?

    1. Hallo, Herzlich Willkommen und Dankeschön! Sind doch ne Menge Hemingway Liebhaber hier…Ich weiß aber, was Du meinst. Im Moment suche ich auch nach Vergleichbarem, mir fehlt irgendwie dieser direkte Anspruch, der Hemingway immer gelingt…In diesem Sinne, hitzige Grüße, Julia

  1. Hemingway ist natürlich eine Klasse für sich und es ist schwierig, einen anderen Schriftsteller mit ihm zu vergleichen. Am ehesten mit Hemingway würde ich John Steinbeck in eine Schublade stecken, auch wenn die beiden andere Lebensstile hatten. Journalisten bzw. Reporter waren sie beide und Zeitgenossen noch dazu. Denn die Epoche finde ich doch noch ziemlich entscheidend, um den Vergleich überhaupt anzustellen.

    LG buechermaniac

    1. Hm…interessant. Das wäre mal eine Diskussion wert. Ich persönlich sehe das etwas anders, das ist wohl 100prozentige Geschmacksache. Diesen direkten Anspruch, von dem ich da(vielleicht etwas verwirrend) rede, den bekomme ich von verschiedenen Autoren aus verschiedenen Epochen. Es ist wahrscheinlich mehr so ein Gefühlsding 😉 Aber vielen Dank, Steinbeck ist notiert. Im Moment liegt Mario Vargas Llosa neben mir auf der Decke…

      1. Du hättest keine bessere Wahl treffen können. Der Roman, der in der Depressionszeit angesiedelt ist widerspiegelt diese Epoche sehr eindrücklich – auch verfilmt mit Henry Fonda, wenn es dich interessiert. Auf deine Eindrücke bin ich also sehr gespannt 🙂

        Bis bald

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s