…in einem sehr eingeschränkten Sinn überhaupt vorhanden…

Man sollte nochmal kurz durchschnaufen, bevor man sich im Garten mit Rasen und Magnolienbäumen beschäftigt. Zur Stärkung sollte man sich vielleicht etwas leichtes gönnen. Ich habe ein wunderbares Sonntagsbüchlein gefunden: Patrick Süskind – Die Geschichte von Herrn Sommer. Schon die Aufmachung erlaubt es einem kaum, unbeeindruckt daran vorbei zugehen. Jubilar Diogenes Verlag kommt in einem hübschen lindgrünen Hardcover daher und verzaubert innen mit Zeichnungen von Sempé.IMG_2271[1]

Die Geschichte selbst erzählt im Stile der Novelle von Herrn Sommer. Eigentlich geht es aber um einen Jungen, der uns von Herrn Sommer erzählt; und davon, was ihm mit besagtem Herren widerfahren ist. Um zu verstehen, warum der Bursche ebenso und nicht anders gehandelt hat, wird sein Leben näher beleuchtet, und dazu bedarf es nicht mehr als drei Begebenheiten, die dafür aber sehr detailliert geschildert werden und entsprechend nahe gehen.

IMG_2273[1]Süskind schreibt unglaublich eindringlich, mit jener tragisch-komischen Art, mit der das Leben aufwartet, wenn man sich in der vorpubertären Phase schon mal mit Suizidgedanken quält. Auf den ersten Blick mag die Geschichte abschrecken, da sie aus Schachtelsätzen und kaum vorhandener wörtlicher Rede besteht. Doch während man in anderen Erzählungen darüber stolpert, fliegt man hier geradezu hindurch. Süskind ist eine kleine Zauberei aus Worten gelungen.

Die Geschichte von Herrn Sommer ist wie ein Frühlingsmenu-locker und dabei sättigend. Und doch mit einem gewissen Nachgeschmack.

(Überschrift-Zitat aus Die Geschichte von Herrn Sommer)

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7 Gedanken zu “…in einem sehr eingeschränkten Sinn überhaupt vorhanden…

  1. Liebe Julia, vielen lieben Dank! An Herrn Sommer habe ich schon so lange nicht mehr gedacht… werde ihn mir wieder besorgen… es ist immer gut, sich an eine Zeit zu erinnern, in der man noch fliegen konnte! ganz liebe grüße t

    1. Oh, Hallo, sehr gern! Dir vielen Dank wiederum für die Erinnerung an Die Jungfrau züchtigt das Jesuskind, welches ich eben auf Deinem Blog betrachtet und damit wieder in mein Bewusstsein gerufen habe. Irgendwie flößt mir dieses Blid immer ein schauriges Gefühl ein, weswegen ich es wohl verdrängt habe. Und das wiederum führte mich zu Goya…farbenfrohe Grüße, Julia

      1. Ja, das war tatsächlich etwas verwirrend formuliert 😉 Die Bilder Die Jungfrau züchtigt das Jesuskind und Saturn frisst seinen Sohn lösen bei mir diesen Grusel aus, weswegen ich sie wohl etwas verdrängt habe. Als ich dann die Jungfrau sah, kam Goya automatisch hoch…Hm, immer noch etwas verwirrend, oder?

      2. nein, gar nicht… Goya macht mir auch Angst… die Gräuel des Krieges sind so präsent, in fast allem was er gemacht hat…. brrr… die Jungfrau belustigt mich irgendwie… vielleicht weil mir die Blasphemie dieses Gedankens so viel Spaß macht… und die Vorstellung, daß in der hl. Familie auch nicht immer alles ganz glatt gelaufen ist… ;-))

      3. Stimmt auch wieder…bei mir ist es gerade dieser komische Aspekt, der mir noch mehr Angst macht. Seltsam…Und ein Kompliment an den Künstler. Ansonsten bin ich kein Kenner, was Bilder betrifft, deswegen komm ich jetzt mal öfter bei Dir vorbei 😉
        Übrigens hat mich Goya schon zu einer Geschichte inspiriert, vielleicht bin ich da hypersensibel…

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