Du bist eine Krankheit.

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Knoi

Knoi von David Schalko habe ich wegen der überragend guten Kritiken gekauft, in denen sehr oft das Wort böse oder gar bitterböse vorkam.

Das böse Buch beginnt mit einem Treffen von vier Menschen, zwei Pärchen, von denen jeweils einer davon der Ex-Partner ist. Sozusagen nach einem Partnertausch. Das ist ja schon mal keine gute Voraussetzung für einen muntere Erzählung. Der Autor bedient sich jedoch keines der Klischees, die einem hochkommen, wenn man an solch eine Konstellation denkt. Die ersten Seiten zeigen bereits einen messerscharfen, sarkastischen und wahrscheinlich wahren Blick in das Innere der Menschen. Warum wahrscheinlich? Weil der Teil in mir, der immer an das Gute glaubt, sich gewehrt hat, weiterzulesen. Ja, so sind wir, dachte ich anfangs noch. Und dann: Nein, sooo schlimm ist der Mensch aber nun wirklich nicht. Tatsächlich wird in Knoi mal gleich die gesamte Menschheit verteufelt. Da macht es natürlich nicht leichter, dass jeder der Vier ein Päckchen mitbringt, an dem er ordentlich zu schleppen hat. Der Leser somit auch. Inwieweit diese Päckchen noch geöffnet werden, sage ich euch natürlich nicht, doch das kann sich ja nun jeder denken, nachdem das Wort böse gefallen ist. Nach einer Weile verschwindet der scharfe Blick und driftet verschwommen in eine fantastische, teilweise sogar märchenhafte Erzählung ab, die ich sehr genossen habe. Und gegen Ende des Buches ist etwas geschehen, was eher selten bei mir vorkommt: Ich habe tatsächlich sehr langsam geblättert und auf die nächste Seite geschielt. Gänsehaut. Angst.

Wie passt das alles in einen doch eher schmalen Roman? Das frage ich mich auch. Immer noch. Ja, das Buch ist böse. Nach den ersten zwanzig Seiten dachte ich: Buch, ich mag dich nicht. David Schalko gelingt es wirklich meisterhaft, lakonisch und angsteinflößend, den Menschen besonders in seinen sozialen Empfinden und Fähigkeiten zu beleuchten, allerdings in einem Tempo, welches mir persönlich zu schnell ist. Zu laut, zu schnell, zu viel. Das Buch hallt nicht nach, und das ist für mich als Leser wichtig. Der Stachel des Bösen sticht wahnsinnig schnell zu und lässt uns aufschreien. Doch nach ein paar Stunden ist das Gift bereits vollständig absortiert und verschwunden. Ich mag es lieber, wenn es sich langsam ausbreitet und sich immer wieder ins Bewusstsein stiehlt.

Im Übrigen hat Knoi ein Happy End. Ein sehr zweifelhaftes, aber ein Happy End ist es doch.

(Überschrift: Zitat aus Knoi von David Schalko)

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  1. Liebe Julia,
    danke für diesen schönen Hinweis auf ein Buch, das wohl sonst nicht meinen Radar gestreift hätte. Böse, bitterböse – beides klingt gut, ich werde mir das Buch mal bestellen. 🙂

    Liebe Grüße
    Mara

    • Sehr gern! Das Gleiche ist mir heute auch schon passiert, wo war das denn nur…ach ja, auf Deinem Blog 😉 Ich finde es total einladend, in einer Kritik zu lesen, dass man nicht alles verstanden hat. Wahrscheinlich ging es mir mit Knoi ebenso…Oder ich bin einfach ein Angsthase. Liebe Grüße, die sich mit Regener heilende Julia

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