Die Meisterleistung des Bürgerkriegs.

Ambrose Bierce

Nachdem ich mir den Kopf darüber zerbrochen hatte, welche der umstrittenen Werke, die nach Meinung nicht weniger Leser die diesjährige sehr fragwürdige Auszeichnung des Buchpreises oder die Nominierung hierfür erhalten haben, ich mir zulegen soll; beschloss ich, mich erstmal zurückzulehnen und vorerst den Schriften zu widmen, die bereits im Regal stehen.

Meistererzählungen von Ambrose Bierce locken -zumindest mich- mit jenem abgegriffenen Design, Kurzgeschichten und eines der besten Vorworte, die ich je gelesen habe. Heutzutage ist es ja immer mal so, dass jeder Experte, der zu Wort kommen darf, den Anschein erweckt, er möchte sich selbst lobpreisen, und nicht den Autor, dessen Werk er einleitet. Ganz anders ist es hier bei Mary Hottinger, die es schafft, knapp und doch präzise zu erläutern, mit wem wir es zu tun haben. Es scheint beinahe mystisch, mit welchem visionären Blick Bierce lange vor 1914 die Gräul und Sinnlosigkeit des Krieges deutet; ebenso sein eigenes Leben, dessen Ende nicht bekannt ist, denn Bierce ging verschollen.

Im Vorwort wird auch die Entstehung der Kurzgeschichte erwähnt, die nicht unbedingt Amerikas Liebling war, und an deren wachsendem Ansehen Bierce nicht unbeteiligt war.

Die Geschichten selbst zeichnen einer eher skizzenhaftes Bild, welches immer mit landschaftlichen Beschreibungen einhergeht. Der Mensch selbst genießt dieses nähere Beleuchten nicht, eher erhalten wir Einblick in seine Seele durch das, was er träumt, und natürlich durch das, was er tut. Man darf annehmen, dass die Erlebnisse, die der Autor während des Bürgerkrieges hatte, ihn nachhaltend geprägt und auf beängstigende Weise inspiriert haben. Er bedient sich sozusagen zweier wichtiger Anhaltspunkte: 1. Je kürzer man schreibt, umso mehr wird man gelesen. 2. Schreib über das, was du kennst. Die Geschichten sind knapp gehalten, und wenn man bedenkt, was Bierce alles reinpackt, kann man sich beinahe wundern, wie viel trotzdem beim Leser ankommt und sich in ihn hineinfrisst.

(Überschrift: Zitat aus Die Spottdrossel von Ambrose Bierce)

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