Das Leid einer kalten Sonne

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Ich habe lange kein Buch mehr geschenkt bekommen, welches ich mir nicht explizit gewünscht habe. Tinkers von Paul Harding ist so ein seltener Fall, geschehen zu Weihnachten. Ich möchte versuchen, in ein paar Worte zu fassen, wie das Buch auf mich eingewirkt hat, doch ich weiß jetzt schon, dass das schwierig werden wird.

Tinker-ein Kesselflicker, ist Howard Crosby, der mit seinem Karren voller seltsam anmutender Dinge übers Land zieht und mit dem Verkauf scheinbarem Krimskrams sein spärliches Geld verdient und gleichzeitig das Leben von Menschen rettet, die im Wald oder sonstwo irgendwo in der Wildnis leben und den Winter überstehen müssen. Tinkers ist ein Buch der stillen Töne, es erzählt uns Geschichten aus Flora und Fauna aus der Weite der Welt und beleuchtet so alles Ursprüngliche, alle Fragen, die zu einer zusammenführen: Wer sind wir, und warum sind wir, wie leben wir und warum leben wir? Mit dem Leben befasst sich dieser Roman, mit dem Leben und Sterben. Wenn es um Weite geht, kommen wir um den Norden von Amerika scheinbar nicht herum, und die bildhaften Schilderungen der Landschaften, die Howard druchstreift, lassen vor unserem Auge eiskalte Flüsse entspringen und riesenhafte Bäume in den Himmel schießen, durch deren Krone die Strahlen der Sonne tasten. Howard selbst ist diese Welt, die Natur an sich, das größte Gut überhaupt, und er fragt sich, warum sie da ist, und wie wir Menschen diese Schönheit durch reines Nichtstun verdient haben. Ich persönlich fühlte mich gefangen in diesen Beschreibungen der faszinierenden und ebenfalls beängstigenden Wildnis, auch ich vertue oft Stunden, in denen ich eigentlich nichts tue, als mich an der Natur zu erfreuen.

Howard erlebt Abenteuer auf seiner Route, die für ihn natürlich keine sind, für mich als Leser schon. Es sind Geschichten in der Geschichte, sei es die über eine Familie, die in ihrem Haus unter der Schneedecke begraben wurde, oder die gruselig anmutende einer Frau, die mit ihren beiden Kindern ebenfalls in ihrem Haus aufgefunden wurde-nach dem Winter, erfroren, scheinbar friedlich schlummernd aneinandergekuschelt in ihren Betten, und nach einem Brand nicht mehr zu identifizieren, was umso rätselhafter scheint, nachdem die vermeintlich tote Hausbesitzerin mit ihren Kindern putzmunter auftaucht. Es mögen viele solcher Geschichten geben in der Weite eines Landes, und obwohl die meisten nur angeschnitten oder wie nebenbei erwähnt werden, zerren die so doch irgendwie an einem.

Zu guter Letzt rückt doch der Mensch wieder in den Vordergrund, es geht um die Beziehung dreier Menschen untereinander-Vater, Mutter, Sohn, und wie jeder von ihnen mit einer Krankheit, die wie ein unberechenbares Monster plötzlich mitten in der Familie steht, umgeht, und wie jeder von ihnen seine Konsequenz daraus zieht.

Tinkers-ausgezeichnet mit dem Pulitzerpreis, und von mir als eines der Bücher, die in der Lage sind, mit Stille einen Sturm zu entfachen.

(Überschrift: Zitat aus Tinkers von Paul Harding)

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