Wir sind ein eigener Schwarm.

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Normalerweise lese ich keine Romane aus dem Diana Verlag. Vermutlich hätte ich mir diesen auch nicht gekauft. Und wenn, dann wegen des wundervoll gestaltenem Einband. Es überrascht mich noch immer, wie schnell ich durch Das Gewicht des Himmels von Tracy Guzeman geflogen bin. Das liegt auch an dem Schreibstil, der eher einfach gehalten ist, und das soll nicht abwertend klingen. Ich konnte zwei Brüche in dem Buch erkennen, einen im ersten, und einen im letzten Drittel. Der Schreibstil ist nicht kontinuierlich, und ich weiß nicht, ob es mir nur auffällt, weil ich selbst schreibe. Ich werte das nicht negativ, ganz im Gegenteil, ich möchte darin eine Entwicklung des Autors beim Schreiben erkennen, vielleicht auch eine plötzlich auftauchende Blockade, ein Stillstehen. Jedenfalls war ich im ersten Drittel froh, dass der Stil nach sehr vielen Hauptsätzen, die die Erzählung plötzlich abflachten, wieder zum ursprünglichen Fluss zurückgefunden hat. Und am Ende werden die Sätze mit einem Mal sehr blumig und üppig. Mir persönlich viel zu überladen. Ich weiß nicht, warum man Sätze mit extrem vielen Adjektiven auskleiden muss, und wenn ich ehrlich bin, habe ich besonders in der Mainstreamliteratur das Empfinden, da will einer Seiten füllen. Ich persönlich mag es karg; wenn eine Geschichte mit dem richtigen Gefühl erzählt wird, soll im besten Fall der Leser selbst als Bildgeber entstehen, und durch zuviel Vorgabe wird diese Entwicklung untergraben.

Die Geschichte, die in Das Gewicht des Himmels erzählt wird, hat alles, was einen guten Roman ausmacht. Am Anfang finden wir uns in den 60er Jahren wieder, in denen eine glückliche Familie jedes Jahr ihren Urlaub in einem Ferienhaus verbringt. Die beiden Schwestern Alice und Natalie, die unterschiedlicher nicht sein könnten, freunden sich mit dem Künstler Thomas Bayber an, einem arroganten und verzogenem Maler, der in dem Haus seiner Eltern lebt. Weiter geht es dann im Jahre 2007 mit zwei Kunstkritikern, die den Auftrag erhalten, ein bisher unbekanntes Gemälde eines international berühmten Künstlers ausfindig zu machen-Es handelt sich um Thomas Bayber. Während sich das Gemälde, welches aus drei Teilen-ein Triptychon-besteht, wie ein Puzzle zusammengefügt wird, geschieht dies auch mit der Geschichte. Die Erzählung mutet an einigen Stellen wie ein Krimi an, und ich war tatsächlich so gefesselt und gespannt, dass ich nicht aufhören konnte zu lesen. Positiv fand ich auch, dass wichtige Schlüsselszenen nicht unnötig aufgebauscht wurden, sondern eher in den Raum geworfen, meist nur mit einem Satz oder einem Wort. Das zwingt einen dazu, innezuhalten und sich einen Kopf zu machen. Und es hat diesen unglaublichen Effekt, dass ein einziges Wort Gänsehaut hervorrufen kann. Das ist die Magie des Lesens. Und des Schreibens.

Was ist damals in dem Haus am See geschehen? Warum herrscht zwischen den beiden Schwestern eine von Hass und Bitterkeit gefärbte Abhängigkeit? Und warum will Bayber ausgrechnet zu diesem Zeitpunkt dieses Werk aus der Jugend seines Schaffens verkaufen und damit zweifellos die gesamte Kunstwelt zum Erschüttern bringen?

Das Gewicht des Himmels ist zweifellos anders als die Bücher, die meinem üblichen Beuteschema entsprechen. Die Sätze sind sehr bunt gezeichnet, was natürlich zu dem Thema Kunst, welches den Roman beherrscht, passt. Es gibt keine stilistischen Höhepunkte, wohl aber im Inhalt, und seitenlange, kluge Dialoge bereiten Spaß am Lesen. Obwohl der Roman von der Traurigkeit, die das Leben manchmal mit sich bringt, gefärbt ist, hinterlässt er nicht jenes kalte Gefühl, was an den sympatischen und herzenswarmen Charakteren liegt. Das Ende ist mir zu kitschig. Und zu überzogen. Das Gewicht des Himmels empfehle ich trotzdem.

Das Talent eines Künstlers wird oft danach bemessen, wie gut er Licht und Schatten darstellen kann. Wenn du eine Wahl hast, suche in deinem Leben immer das erstere. – Thomas Bayber

(Überschrift und letzter Satz: Zitat aus Das Gewicht des Himmels von Tracy Guzeman)

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