Go, German, Go!

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Wenn ihr mal in Ingolstadt seid, müsst ihr trotz der berechtigten Innenstadtkritiken die Theresienstraße aufsuchen. Dort gibt es nämlich den einzig empfehlenswerten Buchladen und schräg gegenüber davon das schönste Café in ganz Ingolstadt.

Als ich Amerika oder Alle Toten fliegen hoch von Joachim Meyerhoff gekauft habe, wusste ich weder, worum es in dem Roman geht, noch, dass es der Vorgänger von Wann wird es endlich wieder, wie es nie war? ist. Ich habe es rein wegen des Covers und des Titels gekauft. Ja, so oberflächlich muss man manchmal sein.

Die Erzählung beginnt rasant, und schon auf Seite zehn, noch bevor meine Freundin mit ihrem Kaffee zurück war, habe ich bereits laut gelacht. Ein Roman, der einen in einem Café zum Lachen bringt, ist den Kauf auf jeden Fall wert, dachte ich mir. Sätze mit ungewöhnlichem Wortwitz und mit erfrischenden Adjedktiven. Darauf stehe ich.

Joachim, siebzehn Jahre jung, verlässt für ein Jahr im Ausland sein beschauliches Leben in Deutschland. Da er bereits beim Ausfüllen des Fragebogens einen nicht erklärlichen Blackout hat und Dinge wie Ich bevorzuge das ländliche Leben oder Ich bin sehr religiös ankreuzt, deuten natürlich darauf hin, dass ihn sein Trip in wohl nicht in eine Metropole voll von Feiern und Mädchen führen wird. Tatsächlich landet er in Laramie in Wyoming, in einer Gastfamilie, die in der scheinbar unendlichen Weite eines Landes lebt, in der der Titelheld sich mit allerlei skurilen Dingen konfrontiert sieht, die das alltägliche amerikanische Leben ausmachen. Aufbruch, Reise und Ankunft sind detailliert und bildhaft beschrieben, dann verliert sich der Roman leider in Längen, was mich dazu gebracht hat, ihn beiseite zu legen und etwas anderes zu lesen. Nur meinem sporadisch auftretenden Pflichtgefühl ist zu danken, dass ich Amerika noch eine Chance gegeben habe. Ich bin ganz ehrlich, der Mittelteil war kein Genuß für mich. Kurze Sätze, die wie ein Auslandstagebuch den Tagesablauf abhaken. Doch dann nimmt das ganze wieder Schwung auf, der Wortwitz kehrt zurück, und es machte wieder Spaß, Joachim zu folgen. Dieser hatte sich von seiner Reise versprochen, als ein anderer nach Deutschland zurückzukehren, als ein erfolgreicher Basketballer, durchtrainiert und mit jenem gelösten Rätsel über das Erwachsenenseins. Und während er am Anfang diesem Mystikum hinterher hechelt, hat er ab der zweiten Hälfte schlicht keine Zeit mehr dazu, denn einmal auf das fremde Leben eingelassen, passiert das, worauf er so sehnsüchtig gewartet hat: Er findet zu sich selbt. Manchmal ist dafür ein Blick von der Ferne nötig.

Mit Coming of Age Romanen ist das so eine Sache, vermutlich gibt es inzwischen zu viele davon, doch Amerika ist trotz der Längen eine Reise wert, besonders da der Held sich nicht in schlwustigen Reden über den Sinns des Lebens ergeht, sondern eher lakonisch daherkommt, zeitweilen wie ein Holden Caufield.

(Überschrift: Zitat aus Amerika oder Alle Toten fliegen hoch von Joachim Meyerhoff)

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