Leben brennt.

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Wenn euch mal wieder der Sinn nach einem Buch steht, von dem man sagen kann, dass es einzigartig scheint, so empfehle ich euch Luka und das Lebensfeuer von Salman Rushdie. Obwohl es ein recht schmales Buch ist, und ich Rowohlt ankreiden muss, dass hier viel Platz verschwendet wurde, hat es einige Zeit gedauert, bis ich es durchhatte. Der Grund hierfür war mir beim Lesen selbst ein Rätsel, doch nun wird es mir langsam klar.

Das Abenteuer von Luka und seinen Gefährten ist eine fantastische Reise ins Land der Magie, doch es ist so gespickt von Wortreichtum, dass es den Leser Zeit kostet; und Zeit zum Innehalten, Verschnaufen und Sinnieren. Und das von einem scheinbaren Fantasyroman? Tja, Rushdie belehrt uns eines Besseren. Denn hinter der Erzählung des jungen Luka, der sich auf den Weg macht, das Lebensfeuer zu suchen, verbergen sich wahre Schätze. Schätze des Lebens. Worte der Wahrheit; wahre, kluge Sätze. Wenn etwas noch nie gelungen war, dann bedeutete das nur, dass es noch nie der Richtige versucht hatte. Immer wieder brauchte ich eine Pause, Zeit um über das nachzudenken, was ich gelesen hatte.

Luka, zwölf Jahre alt, macht sich auf, um das Lebensfeuer zu stehlen, von dem es heißt, es könne seinen sterbenden Vater retten. Er ist nicht allein auf seiner Reise, es begleiten ihn Hund der Bär, Bär der Hund, und Nobodaddy, jene gruselige Todesgestalt, die seinen Vater holen will. Luka betritt das Reich der Magie, von Rushdie als eine Art Paralleluniversum dargestellt, was ja auch Sinn macht, wenn man bedenkt, dass dies das Reich des Vaters ist, denn er hat es erschaffen, mit seinen Träumen, seinen Erzählungen; und jedes Fantasiereich, welches in einem Menschen beherbergt ist, muss es auf diese Weise ebenfalls geben. In dem Roman trifft alles aufeinander- Sience Fiction, Horror und Fantasy. Wir lernen die gesamte Mythologie auf eine neue Art kennen, und dazu gesellen sich neue Geschöpfe und Schöpfungen des Autors. Es häufen sich Vzsze (Vorgänge zu schwierig zum Erklären), wir treffen auf die OAF (Otter Air Force) oder die Große Stagnation. Und neben all den Erzählungen und Abenteuern haben mich die Worte über die Zeit am meisten berührt. Es sind Worte, die der große Erzähler Raschid zu seinem Sohn Luka gesprochen hat, und an die sich unser junger Held nun erinnern muss, denn sie könnten über Leben und Tod entscheiden. … ihre Zeit ist ein Gefängnis; sie sind die Gefängniswärter, und die Sekunden und Minuten sind die Mauern. Wir wissen, dass die Zeit nicht nur sie selbst ist, sondern auch ein Aspekt von Raum und Bewegung. Es gibt Menschen, die lernen, ausschließlich im Moment zu leben. Für solche Menschen verschwindet die Vergangenheit, und die Zukunft verliert an Bedeutung. Dann gibt es jene, die im Gestern verharren, in der Erinnerung an eine verflossenene Liebe, an die Kindheit oder an ein schreckliches Verbrechen. Und manche Menschen schließlich leben nur für ein besseres Morgen; für sie exisiert die Vergangenheit nicht mehr.

Luka und das Lebensfeuer ist eine Reise in das Herz der Magie, doch genauso ist es eine Reise in die magische Welt der Worte. Ich fühle mich nicht nur unheimlich berührt, sondern auch inspiriert, und ich weiß, dass das noch lange anhalten wird.IMG_5875

(Überschrift: Zitat aus Luka und das Lebensfeuer von Salman Rushdie. Alle anderen Zitate sind gekennzeichnet.)

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