Lust und Blumen.

Standard

Ich mache ja grade eine Schreibpause. Das bedeutet, dass ich mit meinem nächsten größeren (eigentlich sehr großem) Projekt Mitte September beginne. Nachdem ich überlegt hatte, ob das nun die Angst vor diesem mächtigen Berg ist, oder ob ich mich der Prokrastination hingebe, konnte ich mich auf diesen Deal mit mir selbst einlassen. Die Pause ist nötig. Ich benötige Raum, um Ideen wachsen zu lassen, neue zu sammeln – und gleichzeitg Input.

Also lese ich, lese und lese, mache Gartenarbeit und ruhe mich aus. Nun … Das Schreiben fehlt, was soll ich sagen? Die Pause bedeutet ja auch nicht, dass ich gar nichts schreiben will. Es gibt z.B. einen Kurzgeschichtenwettbewerb mit dem Thema „Kaputt“ – klingt gut.

Vielleicht ist Pause auch nicht das richtige Wort. Es ist ja nicht so, dass ich nichts zu sagen hätte. Und nachdem ich gestern beim Schreiben eines Arztberichtes überlegt habe, wo ich das Wort „frenetisch“ einbauen könnte, wusste ich – da stimmt was nicht. Da muss was her.

Ich habe Schreiblust. Manchmal kommt die Lust, also der Begriff an sich, und was er uns sagen will – etwas negativ daher. Lust bedeutet fehlende Impulskontrolle. Zumindest wenn man ihr nachgibt. Nun bin ich ein impulsgesteuerter Mensch, ich halte grundsätzlich nicht viel von Kontrolle. Und wenn man sich als Schreiber nicht der Lust hingeben kann, läuft sowieso was schief. Kontrolliertes Schreiben – Pfff.

Ich überlege also, was ich tun kann. Seit zwei Tagen habe ich total Lust auf einen schrulligen Charakter, einen, den ich noch nie hatte. Ich wartete erstmal ab, ob das ein Strohfeuer ist. (Ist ja nicht so, dass ich mich nicht kennen würde.) Nun schwirrt dieser Typ immer noch in meinen Gedanken umher und nervt. Er will vielleicht aufgeschrieben werden. Vielleicht will er mir was erzählen. Und womöglich hat dies auch mit meiner Suche nach mehr Mut zu tun. Es könnte ja auch sein, dass ich das Wort „frenetisch“ an den Mann bringen könnte.

Aufmerksame Leser wissen, dass ich zuviele Blumen nicht mag. Ich bevorzuge es kurz und auf den Punkt gebracht, wenn es um das Erzählen von Geschichten geht. Natürlich müssen Blumen sein, sie geben den Geschmack, sind wie das Salz in der Suppe. Nur wenn es zuviel ist, wird das Gesamtwerk gestört. Dann ist es zu einheitlich oder überwürzt. Gehen wir also durch den Garten und dünnen etwas aus. Wir könnten vielleicht sagen, dass „frenetisch“ unsere Rose ist. Die gilt es gleichermaßen zu schützen und hervorzuheben. Diese Rosen müssen sorgfältig gewählt sein, sowohl ihr Aussehen als auch ihr Standort. Ich mache mich also auf die Suche nach Artgenossen, das mildert erstmal die Lust. Was natürlich Unsinn ist, es nährt die Lust. Aber vielleicht kann ich sie solange füttern, solange am Leben halten, sie mästen, bis das Schreiben als Gesamtkonzept wieder funktioniert, was meint ihr? Und wenn sie doch ausbricht, kann ich ja noch immer diesem schrulligen Charakter hinterherrennen.

Ich suche also Blumen. Und ich muss sagen, dass das einen Heidenspaß macht, schaut mal: züchtig, allglatt, mondän, larmoyant, xanthippisch. Das ist nur eine kleine Auswahl. Und wenn man ein bisschen damit spielt, macht das noch mehr Spaß: fies und flatterhaft; bärbeißig und mannstoll; launisch und frivol.

Ich beübe mich im Gärtnern. Und wenn der ein oder andere schrullige Typ dazwischenfunkt – ich bin bereit. Wer will schon die Lust zähmen?

 

garten.jpg

Advertisements

»

  1. Guter Weg. Wenn ich der Schreiblust frönen will, aber grad nichts Großes geht, kritzel ich mich austobend an meinem Notizbuch aus. Und wenn ich nur einen Tagebucheintrag in die dritte Person setze und fertig. Ora et labora aufs Schreiben übertragen. Aber was zum Teufel ist „larmogant“?? 🙂
    Wünsche viel Spaß beim aktiven Urlaubslustfördern!

    • Upsi, Tipfehler 😉 Hey, ich habe ein neues Wort geschaffen!
      Ja, das mit dem Notizbuch sollte ich mir echt mal angewöhnen, ich schreibe meist ein Exposé oder so etwas in der Art. Diese Methode ist aber meist wieder so raumfordernd …
      Schreiblust frönen und Urlaubslustfördern sind sehr schöne Worte, Danke dafür.

      • Aber gerne 🙂 Und: Uns Leser würde natürlich interessieren, falls, ob und wie Dein Schrullen-Charakter lebendig wird! Liebe Grüße!

      • Ach, lebendig ist er doch schon, kramt durch die Untiefen meines Geistes und geht mir auf den Zeiger. Ich weiß schon mal, dass er weißes Hemd und Hornbrille trägt, der Clown. Und er ist exzentrisch. Passen schrullig und exzentrisch zusammen?

      • Klar, passt schon und schön. Mit „lebendig“ mein ich natürlich die Geburt auf dem weißen Blatt Papier bzw. heutzutage (moderne Krankenhauswelt) auf dem betippten Monitor 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s