Inspiration aus der Dose.

Seit ein paar Tagen weile ich nun wieder in Deutschland. Körperlich zumindest. Mein Geist schwebt irgendwo umher, und das ist ganz wunderbar. Für die Künstlerin in mir jedenfalls.

Ich bin nur noch eine Hülle, so scheint es, der Geist geht spazieren, und unter meiner Haut pulsieren hunderte und tausende Eindrücke, die ich aufgesaugt habe. Mit großen Augen, mit geöffnetem Herzen, mit unbändiger Neugierde.

Ich möchte so gern alles verarbeiten; schreiben, zeichnen, komponieren. Doch wie stelle ich das an, so gleichzeitig? Verpuffen nicht die Eindrücke? Vergisst man nicht viel zu schnell? Wie konserviert man Inspiration? Und ist so etwas überhaupt möglich?

Meine erste Idee: Ein Reisetagebuch. Leider kam mir diese Idee erst am vorletzten Tag des Abenteuers. Trotzdem, dachte ich mir; ich kann es nachträglich ebenso schreiben.

Daran sitze ich nun; versuche, Route und Orte und Erlebnisse einzusammeln, zu ordnen, wieder heraufzubeschwören und damit im Langzeitgedächtnis zu stapeln. Manchmal scheint mir das als eine hoffnungslose Tätigkeit, doch ich schätze, das habe ich meiner Ungeduld zu verdanken. Inzwischen habe ich Dinge wiedergefunden, Orte und Geschichten, die mich inspiriert haben und es noch immer tun. Einen davon – Salisburry – habe ich bereits auf der Rückfahrt beschrieben und versucht, in einer Geschichte einzufangen. Da gibt es aber noch viel mehr – zum Beispiel die des bösen Kindes auf den Steinvorsprüngen der Bracklinn Falls in Callander.

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Seht ihr es dort stehen? Das böse Kind?

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Und während ich schwebe und schreibe und sammle, frage ich mich, wie vieles davon ich vielleicht in meinen neuen Roman einbauen kann. Ist es möglich, viele kleine Ideen zu einer großen Geschichte zusammenschmelzen zu lassen? Und wie bekommt man das hin, ohne dass es konstruiert wirkt?

In mir brodelt es. Ideen über Ideen, Bilder über Bilder. Dafür bin ich dankbar.

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6 Gedanken zu “Inspiration aus der Dose.

  1. Ein Reisebuch ist für mich absolut zwingend. Schon allein weil durch das Aufschreiben an sich die Erlebnisse komischerweise sich ein zweites Mal in mein Gedächtnis „einschreiben“ und ich sie so irgendwie verankern kann. Manchmal ist das sehr anstrengend (am Ende des Tages oder in einem Café sich zum Notizen machen zwingen, wenn man nur relaxen oder schlafen will), sodass ein Nachschreiben auch bei mir zum Alltag gehört. Aber nur ein oder zwei Tage später, sonst verflüchtigt sich’s schon. Eine gewisse Gefahr beim Reisebuch ist für mich, dass ich mich manchmal auf die Fakten konzentriere, also Orte und Daten, und weniger auf die Details. Denn letztere sind für spätere Schreibprojekte viel wichtiger: Wie roch es an diesem Ort, wie stand das Licht, welche Gesprächsfetzen habe ich gehört, wie genau fühlte ich mich an diesem und jenem Punkt.
    Überaus hilfreich und als Kombination so offensichtlich wie genial: Fotos. Nicht von „Sehenswürdigkeiten“ im weitesten Sinn sondern Alltag und persönlichen Eindrücken. Was Du ja offenbar auch schon weißt 🙂
    Liebe Grüße!

    1. Da wusstest Du also eher Bescheid als ich 😉
      Stimmt absolut mit dem Aufschreiben. Zum Beispiel die Geistergeschichten: Schottland hat ja unzählige Castles; Burgen, Schlösser und ihre Gärten. Als die Kinder mitbekommen haben, dass in jedem Castle mindestens ein Geist haust, haben sie nicht aufgehört, danach zu fragen. Und nicht nur sie haben fasziniert gelauscht … Nun, da ich diese Geschichten aufschreibe, höre ich sie alle noch einmal, habe Mauern und Fenster und Kerker vor Augen; ebenso die Person, die von dem Geist erzählte.
      Und mit dem zeitnahen Aufschreiben: Täglich hätte ich das nicht geschafft, das war einfach nicht drin. Aber vielleicht Stichpunkte. Das jedenfalls nehme ich mir für die nächste Reise vor!

  2. Eine schöne Idee ein Reisetagebuch zu schreiben, ich mache das immer, um Fotos, Erlebnisse und Eindrücke für mich selbst zu konservieren… und slebst wenn ich meine Spiegelreflexkamera dabei habe, mache ich auch Fotos mit dem Handy, weil ich dort auch die ganzen Ortsdaten, Uhrzeit usw. habe…
    Hey… und außerdem freuen wir uns darauf, ist also ein bißchen Eigennutz dabei, Dich zu motivieren 🙂
    LG
    Thomas

    1. Ja, die digitalen Bilder samt Orts-und Zeitangebe sind im Moment Gold wert! Ich bin auch so eine, die noch entwickeln lässt und alles in ein Album klebt. Im Grunde genommen ist es dieselbe Idee, der Gedanke der Konservierung steckt dahinter. Und sich immer wieder daran erfreuen können …
      Liebe Grüße und Danke für Deinen Kommentar!

      1. Konservieren klingt dabei leider irgendwie schrecklich für mich. Mein Begriff für die Notizen auf Reisen: ein Steinbruch, aus dem ich bei Bedarf für zukünftige Bücher meine Mauersteine raushole 🙂

      2. Ist natürlich viel poetischer 😉
        Hm… für den Steinbruch müssen für mich die Eindrücke schon ganz frisch sein. Erinnerungen sind eher wie Zutaten, finde ich.
        Übrigens habe ich das Zitat von Max Frisch aus Deinem Reise-Beitrag in mein Tagebuch übernommen. Passt ganz hervorragend 😉

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