Fackeln wir Bäume ab,

… wenn wir über einen Waldbrand schreiben wollen?

Gestern gab es auf Twitter eine überaus interessante und anregende Diskussion zwischen Textflash und Jan Tälling, ausgelöst durch eine Aussage von Richard Norden: „Schreibe über das, was du kennst“, ist kein guter Rat. Besser wäre: Recherchiere vor dem Schreiben, was du noch nicht kennst.“

Jan meint, dass die Ermittlungen niemals eigenes Erleben ersetzen können, und dass Recherche maximal 20% Prozent der Erfahrung stützen sollte.“Wer etwas lebt, der schreibt lebendig. Das merkt man.“

Textflash konterte mit: „Manche Sachen kann man nicht erleben. Trotzdem gibt’s gute SF- und historische Romane. Wie erklärst Du Dir das?“

Es folgte ein munterer Schlagabtausch, dem ich gebannt folgte, ebenso wie andere Autoren, die genauso wie ich hier und da eine Bemerkung „einwarfen“.

Solche Diskussionen, mögen sie hitzig und leidenschaftlich und von allen Seiten mit Respekt geführt werden, sind Gold wert. Für mich zumindest. Sie sind die besten Ratgeber, wenn es um das Schreiben geht. Wenn man denn in der Kunst überhaupt von Ratgeber sprechen kann. Vermutlich nicht. Es gibt Kniffe und Tricks, wenn es ums Handwerk geht. Und es gibt einen riesigen Erfahrungsschatz, zusammengetragen von allen, die mit Herz und Seele Sätze und Texte und Geschichten zaubern. Sich an diesem zu bereichern, um ihn in den eigenen Werken weiterzugeben, kann doch nur wundervoll sein, oder?

Ein Satz von Jan ist mir im Gedächtnis geblieben. „Recherche unterstützt Erfahrung. Nicht umgekehrt.“ Das ist sehr richtig. Genauso wie das Fazit von Textflash: „Es gibt weder ein Rezept, noch sollte man zu dogmatisch an das Thema Recherche rangehen.“

Ja, aber was sagt uns nun diese Diskussion? Was ist mein Fazit? Ich denke, dass es in jedem von uns ein gewisses Grundpotenzial für ein bestimmtes Thema gibt. Woher das kommt und wie stark es ausgebildet ist, hängt von unserer Persönlichkeit und Erfahrungen ab. Ich z.B. bin eine leidenschaftliche Beobachterin von Menschen und allem, was zwischen ihnen geschieht. Wenn ich über sie schreibe, bewege ich mich sicher; fast so, als würde ich mitten unter ihnen weilen. Bei mir völlig fremden Themen bin ich unsicher, und weil ich spüre, dass ich genauso unsicher schreibe, scheue ich mich davor. In meinem Roman „Das Flüstern der Pappeln“ benötigte ich das Know-How eines Steinmetzes, und erst das persönliche Gespräch half mir wirklich weiter, nicht Google. Und auch wenn es nur um ein paar winzige Sätze ging, ich habe es mehrmals gegenlesen lassen. Geht es um ein Thema, von dem ich absolut keine Ahnung habe (wie z.B. die Astronomie), würde ich mich nicht ohne einen „echten“ Kenner an meiner Seite heranwagen.

Wie ist es nun mit meinem neuen Projekt, Nathen? Einem Ort, in dem schier Unglaubliches geschieht; wilde Dinge, düstere, gruselige Dinge? Unerklärbare Vorkommnisse? Da ich nicht an so einem Ort hause und keinerlei Erfahrungen damit machen kann, lasse ich die Finger davon. Oder? Nein. Ich suche Städte auf, riesige Städte; Orte, die etwas ausstrahlen. Ich erinnere mich an Orte, die solch einen Einfluss auf mich hatten. Ich erinnere mich, wie ich mich fühlte, wenn ich von solchen Orten las oder sie in fantastischen Bildern sah. Ich warte, bis der Ort entsteht. Und es gibt ihn. Jawohl. Er entsteht in meinem Kopf, dort, wo Universen wachsen, deren Ausmaße wir nicht erahnen können, weil sie unendlich sind. Textflash sagt, der Leser mag es, wenn der Autor mutig ist. Das sehe ich genauso. Und wenn es gelingt, unsere Leser in die Welt zu entführen, die wir erschaffen, dann sind wir glücklich. Das gelingt uns durch Authentizität. Darüber waren sich gestern alle Autoren einig.

Ich bedanke mich bei allen Schreibern, die mich gestern inspiriert haben!

Feuer.jpg

 

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5 Gedanken zu “Fackeln wir Bäume ab,

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