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Atmosphäre, Witz und Drachen – Im Gespräch mit Andreas Hagemann.

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Und weiter geht’s mit der Autoren-im-Interview-Reihe. Andreas Hagemann spricht gern mit Drachen (auch mal Dialekt), heute redet er mit mir …

Andi Bild

 

 

Andreas Hagemann

ANDREASHAGEMANN.COM

@Xerubian

 

 

 

 

 

 

 

Zuerst begrüße ich dich recht herzlich an Bord der Sehnsuchtsfluchten, lieber Andreas! Witz ist deine Stärke, sagen deine Leser.

Zumindest gebe ich mir Mühe, unterhaltsam zu sein.

Kommen wir damit zum Erzählen an sich. Das Thema der Anthologie ist ja ein großes: Emotionen. Wie hoch ist dein Anspruch, Emotionen beim Leser zu wecken? Und hast du bestimmte Kniffe, auf die du beim Schreiben zurückgreifst?

Emotionen sind für mich der Schlüsselfaktor einer guten Geschichte. Schaffe ich es als Autor nicht, etwas beim Leser auszulösen, gerät mein Text in Vergessenheit. Sympathie oder Abneigung für die Charaktere, die Atmosphäre in einem Raum, das Getöse in einer Stadt, all das zieht den Leser in meine Welt. Nur dann habe ich ihn in der Hand.

Ich bin von Haus aus sehr emotional und nehme die Dinge anders und vielschichtiger wahr als andere. Das hilft mir, auf Umstände und Dinge zu achten, die ich einbaue. Ich nutze dafür gerne bildliche Vergleiche, weil es die intensivsten Reaktionen hervorruft, bzw. auf Erfahrungen zurückgreift, die jeder assoziieren kann. Meist lasse ich den Text dann liegen und lese ihn später erneut. Packt mich die Stimmung genau wie beabsichtigt, dann habe ich es richtig gemacht.

Getöse in einer Stadt. Da bin ich gleich ganz hingerissen! Du kontrollierst später noch einmal, ob die Emotionen noch da sind? Das finde ich sehr interessant.

Wenn ich einen Text schreibe, begebe ich mich in die Emotion, die ich hervorrufen möchte. Bei einer finsteren Szene höre ich zum Beispiel dunkle, atmosphärische Musik. Habe ich dadurch die richtigen Worte gewählt, erreiche ich später emotional den gleichen Zustand. Lächle ich anschließend sogar: bin ich auch ein bisschen stolz 🙂

Wie wichtig ist es für dich als Leser, Gefühle in Geschichten zu finden? Wie erreichen sie dich? Gibt es Unterschiede zwischen dem lesenden und dem schreibenden Andreas?

Beim Lesen ist für mich Gefühl nicht, dass jemand traurig oder wütend ist, sondern was an Atmosphäre geschaffen wird. Genau wie bei meinen eigenen Texten, ist das für mich sehr wichtig. Denn es kommt darauf an, was ich beim Lesen fühle, dass ich abtauche und alles um mich herum vergesse.
Als Autor bin ich glaube ich anspruchsvoller als als Leser. Das Lesen anderer Texte zeigt mir aber, wie vielschichtig man Gefühle einbinden, aufbauen und manipulieren kann. Das ist jedes Mal eine interessante Erfahrung.

Atmosphäre. Ein sehr gutes Wort! … Wenn ich einen Text schreibe, begebe ich mich in die Emotion, die ich hervorrufen möchte … Wie viel Einfluss von Biografischem ist hier vonnöten, was denkst du?

Als Autor ist man immer in Teilen die Geschichte selbst. Man ist gut, man ist böse, man ist das Opfer, mal verliebt, mal wütend. Bei solchen Szenen denkt man oft an das eigene Leben, lässt sich von den Momenten beeinflussen und verarbeitet die damit verbundene Emotion in seinem Text. Oft für den Leser verborgen, manchmal sehr unverblümt.

Kommt es vor, dass du dich mit einem Protagonisten ganz unverblümt identifizierst?

Oh ja, wer meinen Drachen Nerol kennt, das bin ich. Aber auch die gute Elenor aus einer der Geschichten hat sehr viel von mir.

In beiden Geschichten, die du für die Anthologie beigesteuert hast, ist die Hauptfigur eine Frau. Hast du die Geschichte extra für die Sammlung geschrieben?

Ja, beides habe ich für die Anthologie geschrieben. Die Idee zu „Elenor“ hatte ich bereits eine ganze Weile, doch dieser Anstoß hat daraus ein Ganzes gemacht. „Rastlos“ war ein kurzer Gedanke, der mir beim Schreiben einer anderen Geschichte gekommen ist. Beide sind völlig unterschiedlich und haben mich aus meinem Fantasy Schneckenhaus herausgelockt.

Wo führt dich der Weg aus dem Schneckenhaus nun hin? Planst du weitere Ausflüge in andere Genres?

Ich muss gestehen, dass ich bereits zwei fertige Plots für Psychothriller in der Schublade habe, bei denen sogar die ersten beiden Kapitel geschrieben sind. Da mein Steckenpferd aber der Humor ist, fällt mir dieses Genre sehr schwer. Kurzgeschichten eignen sich hervorragend, um sich da näher ranzutasten.

Thema rantasten. Deine beiden Kurzgeschichten sind ja extreme Gegensätze, die eine zaubert Gänsehaut, die andere Lachtränen. Siehst du diese Form des Erzählens auch als eine Art Ausprobieren?

Ja, durchaus. Was ich in meinen bisherigen Büchern gelernt habe ist, dass nur Humor bedingt funktioniert. Ohne Spannung funktioniert eine Geschichte einfach nicht. Beide Extreme zu erkennen und sich an ihnen in kleineren Geschichten auszuprobieren, bedeutet damit zu wachsen, um sie in späteren Projekten miteinander zu kombinieren. Pointiert, so dass sie sich spielerisch ergänzen.

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Die Anthologie war zugleich ein Experiment, eine Art Gruppenarbeit. Wie empfandest du diesen Prozess?

Als außerordentlich inspirierend! Die Harmonie zwischen den Autoren und der Austausch zu den Themen hat sogar meine Geschichte Elenor beeinflusst. Ich sage nur Pangasius Doluptas.

Haha, genau!

Ich habe sehr viel dazugelernt und mich mit weiteren Schreibkollegen vernetzen können. Zudem kenne ich nun weitere Eckpfeiler, die für Geschichten, Formatierung, Gestaltung und Aufbereitung wichtig sind. Handwerkszeug, das nie perfektionistisch genug sein kann. Dafür kann ich gar nicht genug danken.

Lieber Andreas! Ich danke dir für dieses sehr schöne Gespräch!

Es hat mir auch sehr viel Freude gemacht!

 

Weißes Schreiben.

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Es ist tatsächlich mehr als einen Monat her, dass ich mich hier gemeldet habe. Ganze vier Wochen. Was tut man in vier Wochen? Was habe ich in diesen Tagen getan?

Zuerst wünsche ich euch von ganzem Herzen ein wundervolles neues Jahr, mit allem, was ihr euch selbst wünscht! Seltsam ist das mit den neuen jungen Jahren. Wünschen kann man sich immer etwas, jeden Tag. Wenn der Januar naht, wittern wir die Chance auf einen Neuanfang. Warum ist das so?

Ich wünsche mir stets dasselbe. Und doch ist es anders. Besonders das Schreiben, und alles was dazu gehört, hat sich verändert. Seit ich mich den ganz wundervollen BartBroAuthors angeschlossen habe, scheint es, als würde ich nicht mehr allein schreiben. Natürlich wähle ich die Worte selbst, schreibe oder tippe sie nieder. Doch habe ich nun, egal in welcher Phase des Entstehungsprozesses, die Möglichkeit, nach Tipps, Probelesern und Kritikern Ausschau zu halten. Der Unterschied zu vorher ist der, dass immer jemand zur Stelle ist, und zwar sofort. Und geht es nur darum, mal zu jammern. Ja, das muss sein, das Jammern. Besonders, wenn man sich als Schreiber, so wie ich zur Zeit, in einer merkwürdigen Zwischenwelt befindet, in der mal wieder eine Idee nach der anderen anklopft und sich die Bilder in Kopf und Bewusstsein drängeln. Die BartBroAuthors sind ein Verein von Schreibern, Menschen, die leidenschaftlich dem nachgehen, was auch mir am meisten am Herzen liegt. Es sind Quereinsteiger, Anfänger, Profis und Berufsschreiber. Und jeder von ihnen hat ein Ohr offen. Immer.Das fühlt sich schön an, und für mein Schreiben ist es gut und extrem hilfreich.

Ich wachse also. Die Kunst und das Schaffen formen sich, so fühlt es sich an. Vielleicht, und das würde ich mir am meisten wünschen, ist es ein Reifeprozess.

Viele tolle Autoren durfte ich in den letzten Wochen kennenlernen. Die wunderbare Michaela Stadelmann kennen sicher viele von euch. Und die unfassbar talentierte Bordsteinprosa durfte ich gar persönlich kennenlernen! Ebenso wie Bestsellerautorin Nicole Neubauer. Ja, ihr habt richtig gehört. Das marschiert eine Bestsellerin in meinen Garten – richtig: Schnappatmung!

Ich lerne also und lausche. Ich lese und frage und warte ab. Ich treffe mich mit Menschen, die Worte und alle Gerüste, die man daraus formt, genauso lieben wie ich selbst. Und bald werde ich selbst wieder schreiben, und es wird anders sein. So fühlt es sich zumindest an. Ich freue mich drauf.

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Liebe liebe Grüße, Julia