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Der Juni tanzt.

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Bevor es hier wieder um das Literarische geht, wird getanzt und gesungen! Ihr wisst ja, dass ich jedes Jahr das ganz wundervolle Maifeld Derby heimsuche, und das steht tatsächlich schon nächste Woche an! Der Juni ist Musik.

Zwar noch Mai, aber schon ziemlich am Ende, besuchte ich das Konzert der einmaligen The Dead South. Von diesen stampf – und spielwütigen Herren habe ich euch schon einmal erzählt. Bluegrass – da rümpfen viele erst einmal die Nase. Hab ich auch, da bin ich ehrlich. Aber auf diese Art und Weise lasse ich mich gern belehren! Das Muffatwerk war ausverkauft, und zwar sehr bald, nachdem es die Karten zu erwerben gab. Auch waren viele Konzertbesucher textsicher. The Dead South haben hierzulande eine größere Fangemeinde, als ich dachte. Nett!

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Eric Mehlsen, Cellist der Band, spielte ala Del Suelo im Vorprogramm. Seine Vorstellung begann damit, dass er dem Publikum erzählte, er hätte eine Novelle geschrieben und diese dann in Kapiteln vertont. Tja, nun ratet mal, wer davon extrem hingerissen war …

Die Geschichte, die dann folgte, war eher eine Reise. Und wunderschön. Eric singt und musiziert eher ruhig. Und dennoch sind es große Geschichten, zu denen er einlädt. Besonders hat mir das Darling of the Desert gefallen, und es ist noch immer mein Liebling auf dem Album, welches ich mir zusammen mit dem Buch am Ende der Show geholt habe. Hach …

Walked in an very straight line

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Der Oktober hat es in sich, nicht nur, was die Literatur angeht. Gleich drei große Musikmenschen (+Anhang) haben neue Alben am Start. Auch Okkervill River haben nachgelegt, das aber schon letzten Monat. Habe ich irgendwie nicht mitbekommen. Nun ja.

Lisa Mitchell. Was soll man sagen? Immer wieder stolpere ich über ihr unbeschreibliches Talent; die Musik, die sie macht, begleitet mich schon seit Jahren. Ja ja, das neue Album ist glatter und reifer und poppiger und vielleicht radiotauglicher. Ich liebe es trotzdem. Die gute Frau Mitchell schafft Neues, um sich dabei dennoch treu zu bleiben. Darum geht es doch, oder? Auf „Warriors“ findet man einige tanztaugliche Songs, angetan haben es mir wie immer die ruhigeren. Die Melodien nur angedeutet, alles ziemlich melancholisch. Ich finde, das ist Lisa Mitchells Königsdiziplin. Und so wandert einer der Songs direkt auf die Playlist für mein aktuelles Romanprojekt …

 

(Überschrift: Zitat aus Warriors von Lisa Mitchell)

And between the years …

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… I might have come to know you but I don’t own you, that much is clear.

Nun waren sie also gestern in München, die wunderbaren Musiker rund um Sänger Matthew Hegarty. Eingeleitet und immer wieder angekündigt von Ryan O’Reilly, der über nichts anderes sang als über die Liebe. Reicht aus als Werbung, oder?

Das Milla ist echt schnucklig, so ein kleines Kellergewölbe, in dem man schon mal vor der Bühne hört, wie auf der anderen Seite Gläser gespült werden. Bei Motorama war mir das nicht aufgefallen, aber die waren ja auch wild und laut, was man von den Engländern MATA nicht behaupten kann. Hegarty ist ein Mann der leisen Töne. Er ist ein Künstler durch und durch. Wie jetzt, ihr habt von mir eine objektive Berichterstattung erwartet? Pfff.

Ich erzähle und schwärme ja immer und immer wieder von der Leidenschaft, besonders von der leidenschaftlichen Kunst. Und gestern habe ich sie defintiv gesehen. Ich habe sie erlebt. Erst mal bin ich noch immer entsetzt, wie jemand tatsächlich solche Stimme haben kann, so tief und voluminös. Das soll mir mal einer erklären. Ebenso hingerissen war ich von der Tatsache, dass fünf Menschen solch raumgreifende Musik entstehen lassen können, satt und tief, selbst in einer Akkustik-Variation. (Elijah)

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Hegarty singt nicht nur, er prangert an. Er predigt. Zwischendurch fragte ich mich immer mal, ob der Mann auch Freude hat, an dem was er tut, wirkte er doch manchmal sehr … verbissen. Es schien ihm wichtig, seine Geschichte an den Mann zu bringen. Die Leidenschaft, ach.

Ganz große Freude hat auch der Drummer bereitet, der viele Songs aufgepeppt und verwandelt hat und trotz einer Fußverletztung (ja, manche treten auch mit Plastiktüte am Bein auf), ordentlich Gas gegeben hat.

Im Großen und Ganzen geht es bei MATA eher ruhig zu, was nicht heißen soll, dass man nicht tanzen kann. Pale Sun Rose war einer der flotteren Nummern und hat gezeigt, dass die Musiker wunderbar harmonieren und Spaß zusammen haben. Auch um das Publikum war man bemüht, als in der Bonusrunde der Liebling I followed fires zum Besten gegeben wurde, und das auch noch in der Menge, war es wohl um jeden Gast geschehen. Allgemein zeigten sich die Besucher textsicher, auch war der kleine Club recht voll, wohl ein Zeichen, dass aus der Indie-Perle MATA etwas Größeres wird. Nicht, dass ich das nicht vorausgesagt hätte …

Ich bin jetzt noch größerer Fan als bisher schon, besonders, weil Temple als Opener gespielt wurde, eines meiner derzeitigen Lieblinge. Und dann, wer hätte das gedacht – Out of the darkness – jener Song, der mich zu einem ganzen Roman inspiriert hat. Und von dem ich eigentlich dachte, dass ich ihn niemals live höre werde, weil er … nun ja, wirklich einer von der langsamen Truppe ist. Ich habe ihn also als eine Extra-Zugabe für mich betrachtet 😉 Und wieder eine Schaufel Inspiration mitgenommen, wenn nicht eine ganze Wagenladung.

Matthew and The Atlas touren weiter, im Oktober sind sie wieder in Deutschland. Leute, geht hin!

 

I don’t want you …

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… to feel alone.

Manchmal packt es mich, und dann brauche ich ganz ganz dringend neue Musik. Wie ein Junkie auf Entzug bin ich dann. Oft treibe ich mich in diesen Phasen bei dem guten Callmeappetite herum, der hat immer fetzige Ideen, und oft wird man fündig, auch was Sachen angeht, die man gar nicht gesucht hat. Davon erzähle ich euch noch.

Aus aktuellem Anlass aber erst etwas anderes. Seit den Musikgöttern aus Kanada – jahaaa, Wintersleep- hat es niemanden mehr gegeben, der mich auf diese eine Art und Weise inspiririert hat. Oder infiziert. Bis sie kamen.  Matthew and the Atlas. Für einen Song der Engländer habe ich einen Roman geschrieben.

Nun kommen sie endlich nach Deutschland, am 23 Juli spielen sie in München. Was soll ich dazu noch sagen? Kunst ist das, ganz große. So alles verzehrend, schmerzhaft, tröstlich. Bei Matthews Worten denke ich ganz oft: „Ja, genau so!“, und ich habe auch endlich eine Antwort gefunden auf die Frage, warum es manchmal dieser eine Künstler ist und eben kein anderer: Weil keine andere Band solche Musik macht. Ist doch ganz simpel, oder?

Sometimes I need the dark …

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… so I can see the light.

I need you here. Your gutter heart.

Es gibt zurzeit keine Musik, die mich mehr inspiriert als jene von Matthew and The Atlas. Mit Temple geht’s weiter bergauf, und ich bin immer wieder fasziniert von dieser Tatsache. Halten sich doch der gute Matthew und Co. recht zuverlässig an Moll-Akkorde und ähnliche Arragements. Trotzdem entsteht daraus immer wieder ein Unikat. Ist es die Unaufgeregtheit, die Liebe zum Detail, oder einfach die Fähigkeit, abzuwarten? Denn das ist das, was mich diese Art der Kunst am meisten lehrt. Hier erzählt jemand eine Geschichte, und während ich zuhöre, geht es nicht darum, wie sie ausgeht. Es geht um die Zwischentöne, um all das, was auf dem Weg geschieht.

Die Songs wirken immer vertraut, wie ein Geheimnis, welches die Künstler mit uns teilen wollen, sie vertrauen es uns an. Teilweise kommt das sehr intim rüber. Und das bewundere ich.

I feel so strangely alive. But I know that it ain’t easy. And I find some kind of comfort in the wide open spaces.                                                                                                                                   – Old Master-

Landschaftsverliebt. Das sagt man Matthew Hegarty nach. Er liebt das Leben, die Welt, welches Gesicht sie auch immer zeigen. Irgendwie schafft er es, einen Bogen zu schlagen zwischen dem all. Gehört das zusammen? Kann man das überhaupt trennen?

Das ist Kunst für mich, liebe Leute.

Das neue Album ist draußen, und es ist absolut empfehlenswert. Und erwähnenswert ist es, dass die Engländer endlich nach Deutschland kommen. Am 8. Mai in Berlin geht’s los. Yeah!

(Überschrift: Zitat aus Gutter Heart von Matthew and The Atlas)

 

 

And why do you smile when you know I’m done?

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Zugegeben, als ich die Herren (und Dame) von The Leisure Society zum ersten Mal gesehen habe, war ich einigermßen überrascht. Lauscht man dem Album Alone Aboard The Ark, so erwartet man eher bärtige bärige Ruhe-Menschen, stattdessen sind hier adrette junge Männer am Werke. Sympathisch, die Engländer.

Die Platte hat alles, was ein richtiges Herbst-Album haben muss, und ich bin mehr als froh, dass ich es schon gefunden habe. Ja, es dauert eine Weile, bis es ankommt, man muss es immer wieder hören, sich Zeit lassen, und dann wird man aber ordentlich belohnt. Der Opener Another Sunday Psalm kommt schön beschwingt sommerendmäßig daher, und danach lauscht man ein guter handgemachter Musik, schön melancholischer Folk. Hach…

(Überschrift: Zitat aus Another Sunday Psalm von The Leisure Society)