Die Stimme eines schmeichelndes Teufels.

Oder: Er hielt mich mit der ganzen Kraft seiner Besessenheit fest.

Stephen King ist besessen. Er ist hingerissen von dem Gedanken an die Suche nach einer Tür, die uns zu dem führt, das nach dem Tod auf uns lauert. Das wissen wir seit Friedhof der Kuscheltiere. Und was bei der dieser Suche rausgekommen ist, wissen wir auch. Nichts Gutes.

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Bei The Revival ist es gleich und ganz anders. King schreibt über das, über was er am besten Bescheid weiß. Den Mensch und all seine Abgründe. Sie scheinen auf den ersten Blick nicht so tief und dunkel zu sein, doch Abgrund ist Abgrund. The Revival liest sich wie eine Biographie, auch bei Dolores war das schon so. Während es sich bei den meisten Werken meines Großmeisters um aktuelle Ausschnitte des Protagonisten – eine Jetzt-Aufnahme – handelt, zeichnet King in diesem Roman das gesamte Leben vom sechsjährigen Jamie bis zum einundsechzigjährigen Jamie. Ein Mammutprojekt! Nicht nur als Leser frage ich mich, wie man das überwindet ohne Längen. Leider gelingt das nicht. Das, oder es ist meiner eigenen Ungeduld geschuldet. King erzählt gern. Allerdings lese ich ihn wieder lieber als zu der Zeit, als Puls erschien. Da redete und redete und redete er nur. Und die Längen in Revival verzeihe ich, dennoch überlege ich, ob und wie man sie verhindern könnte. Es gibt ein Kapitel im Buch, eher ein Geschehen, bei dem ich das Gefühl hatte, der Autor langweilte sich damit. Es war nötig, um Logik und Fortlauf aufrecht zu erhalten, doch es war öde. Hm. Was also tun?

Interessant ist auch der Fakt, dass sich das Finale auf einen recht kleinen Teil beschränkt. 124 von 509 Seiten. Ist das jetzt viel oder wenig? Das eigentliche Ende, und mit Ende meine ich WAS?, ist etwa 40 Seiten lang. Und dieses Ende würde ich mir gern auf ein Shirt drucken lassen. Das ist King. Hier kommt der Horror. Vorher, in dem ellenlangen Text, in der die Liebe des Autors zum Erzählen zum Vorschein kommt und der auf das Ende … vorbereitet, geht es um die Menschen. Um ihr Bestreben, mit der Welt fertig zu werden und den Preis, den das mit sich bringt. Bei King geht es immer um einen Preis. Wir alle müssen zahlen. Und es geht wieder um Musik. Jamie, unser Held, ist Musiker, und wer nicht wirklich alle Details über ein Leben als Musiker lesen will, der sollte die Finger davon lassen. King kennt sich aus, und mehrere Male überkam mich das Gefühl, er muss beinahe zwanghaft berichten. Wie eine Schuld, die er zu bringen hat. Ach, ich rede nur 😉 Um Schuld geht es auch in The Revival. Um Drogen und Sucht und Krankheit; die Schuld steht jedoch an erster Stelle. Das hat mir gefallen. Dieser enorm dicke rote Faden.

Ich könnte noch endlos weiter reden, höre aber jetzt auf. Ich bin King Fan, seit ich zehn Jahre alt bin, das wisst ihr ja …

In wenigstens einer Hinsicht ist unser Leben wirklich wie ein Film. -Erster Satz aus The Revival. Hallo Simon! 😉

Das Leben ist ein Rad, und es dreht sich immer wieder dahin, wo es angefangen hat.

Nun mag man vielleicht sagen, ich hätte es trotzdem sehen müssen, da eigentlich sämtliche Teile vorhanden waren, aber ich bin Gitarrist, kein Detektiv, und was deduktive Fähigkeiten angeht, war ich nie der Schnellste.

So führen wir nämlich unsere eigene Verdammnis herbei – indem wir bewusst die Stimme überhören, die uns anfleht innezuhalten.   

Überschrift sowie der erste Satz: Zitat aus The Revival von Stephen King. Alle anderen Zitate sind gekennzeichnet.-

Das grazile Mädchen

„Spiel uns was!“, rief Ben, und die anderen stimmten sofort mit ein. „Ja, Sarah, du musst etwas spielen!“

Sarah schüttelte den Kopf. „Oh nein, ich kann nicht spielen.“

„Doch, du kannst!“

Sie blickte die Kinder wieder an, die erwartungsvoll geweiteten Augen, die gespannten kleinen Körper.

„Nein, tut mir leid. Ich spiele nicht.“

Ben öffnete den Mund, doch er schloss ihn wieder, als Josephine neben ihm erschien. Sie bewegte sich beinahe lautlos. In der Hand hielt sie ein Blatt, und sie reichte es Sarah.

Auch wenn sie wusste, um was es sich handelte, und sich alles in ihr sträubte, es anzunehmen, tat sie es trotzdem. Sarah faltete das Papier auseinander, warf einen Blick darauf und sah dann Josephine an. „Chopin.“

Das grazile Mädchen nickte, und es schien, als würde ihrem Kopf ihr gesamter Körper folgen. Sie blickte Sarah auf diese wissende Art an, und Sarah klappte den Notenständer aus und stellte das Papier hinein.

Ben schob ihr einen Stuhl vor den Flügel, und die Kinder verstummten und standen beinahe unbeweglich.

Sarah nahm Platz. Sie kannte das Stück, doch es waren Jahre gewesen, seit sie das letzte Mal gespielt hatte. Überhaupt gespielt. Sie sah von dem Notenblatt auf und blickte zu Josephine. Das Mädchen wirkte fragil, als würde ein Windhauch ausreichen, um sie fortzutragen. Und Sarahs Finger berührten die Tasten, trafen auf Anhieb das B und stimmten beim zweiten Takt mit der linken Hand mit ein. Sie mochte Chopin, besonders sein Nocturne op.9, es war in einer unaufgeregten Art und Weise wild und ungestüm, auch wenn es sich auf den ersten Eindruck nicht danach anhörte. Man musste es nur richtig hören. Und spielen. Ihm die nötige Tiefe geben.

Josephine begann ab dem sechsten Takt zu tanzen, und die Augen der Kinder wanderten zu Sarahs fliegenden Fingern zu dem grazilen Mädchen, welches sich anfangs nur leicht hin und her wog, doch dann die Schritte immer weite setzte und mit den Armen immer weiter ausholte.

Sarah sah sie nur aus den Augenwinkeln, doch nach und nach wurde sie sicherer und nahm für einige Takte die Augen vom Blatt. Noch nie hatte sie einen Menschen gesehen, der sich bewegte wie es Josephine tat.

Das Mädchen hatte sich bald in dem gesamten Raum fortbewegt, sie machte immer größere Kreise, und sobald die Musik drängte, tat es auch Josephines Körper. Er bog sich dann, streckte sich, als würde er sich sammeln und dann, das was er gefunden hatte, in einem langen ausgestreckten Arm weitergeben, an einem einzigen Finger in die Welt hinaustragen.

Die Kinder betrachteten Josephine in einem atemlosen Staunen, und bald tat es Sarah ebenso. Josephine setzte einen Schritt nach dem anderem, beugte sich, streckte sich und fuhr mit den Fingern die Wand entlang. Und dort, wo sie sie berührte, dehnte sich die Wand, flimmerte einen Augenblick lang und zog sich zusammen. Wie die Oberfläche eines Sees, und so sah der Gemeinschaftsraum in diesem Moment aus: Wie Wasser, das einen Tropfen aufnahm und ihn dann wieder ausspuckte.

Sarah hatte keine Zeit, zu hinterfragen, was sie sah;  ihr Verstand vermerkte zuerst, dass es wahr war, was sie sah, und verstaute dann den Gedanken unter dem schwarzen Tuch. Es gab keinen Zweifel daran, dass die Kinder es auch sahen, und doch war nichts in diesem Augenblick seltsam oder unwirklich; in diesem Augenblick, an dem Sarah an dem Flügel saß und Nocturne von Chopin spielte und Josephine sich in einer einzigartigen Anmut bewegte.

Alles war richtig, und alles war wahr, und auch dieser Gedanke kroch unter das schwarze Tuch in Sarahs Gedanken.

Josephine stand still, als die Musik endete. Die Kinder taten es ebenfalls, noch immer standen sie still, mit großen Augen und einem Ausdruck von Faszination und Ehrfurcht auf den Gesichtern. Und noch etwas anderes war in ihnen zu lesen. Der Ausdruck der Wissenden. Ein wenig von dem, was Josephine wusste und kannte und gesehen hatte, hatte sie nun an die Kinder weitergegeben.

Und an Sarah.

Sie stand auf, nahm das Notenblatt und klappte den Deckel des Flügels zu; das reine Weiß und das tiefe Schwarz verschwanden.

Es war still in dem großen Raum, niemand wagte die Ruhe, die entstanden war, zu stören. Langsam bewegten sich die Kinder zu den zusammengeschobenen Tischen am Eingang, setzten sich und schlugen ihre Hefte auf. Immer wieder blickten sie auf und betrachteten Josephine, das grazile Mädchen.

„Du spielst gut“, sagte diese, als sie zu Luft gekommen war. Sie stellte sich an den Flügel und betrachtete ihn verträumt.

„Na ja, etwas holprig, aber Danke“, erwiderte Sarah.

„Warum spielst du denn nicht mehr?“ Es dauerte eine Weile, bis Josephine den Blick von dem edlen Holz nahm und Sarah ansah. Es lag kein Argwohn darin.

„Ich … weiß nicht. Ich kann nicht.“

„Du konntest nicht“, korrigierte Josephine.

„Ja.“

„Wann hast du es das letzte Mal getan?“

„Vor knapp drei Jahren.“ Sarah wusste es auf den Tag genau.

„Oh“, machte Josephine. „Das tut mir leid.“

Selten hatte Sarah eine solch aufrichtige Aussage gehört. Und das war ihr ebenso klar wie die Tatsache, dass die meisten Kinder hier bereits Bekanntschaft mit dem Tod gemacht hatten. Dem Tod und all seinen hässlichen Begleitern.

„Danke.“ Sie strich über die glänzende Oberfläche des Flügels. Nach einer Weile blickte sie Josephine an. „Du solltest immer tanzen. Ich habe nie etwas Schöneres gesehen.“

Ein Hauch von Röte huschte über die blassen Wangen des Mädchens. „Ich danke dir sehr. Es ist … es ist alles für mich.“

Sarah nickte. Und dann folgte sie dem Blick von Josephine, auch wenn sie es nicht wollte. Sie betrachteten die Wände des Gemeinschaftsraumes, die nun wieder starr waren.

Einbildung, Sarah, nichts anderes war es gewesen.

Natürlich.

„Es war nicht schlimm bei meiner Tante“, sagte Josephine unvermittelt. „Ich meine, sie hat nie geschrien oder mich geschlagen. Und sie ist sehr oft verreist. Sie sagte immer, das Reisen wäre ihr Ein und Alles. Dass es sie am Leben halten würde. Vielleicht wollte sie mich deswegen nicht.“ Sie sah Sarah an, der Blick klar. „Vielleicht war das Reisen für sie wie das Tanzen für mich.“

„Trotzdem“, entgegnete Sarah. „Sie war trotzdem ein Unmensch.“

„Mag sein.“ Josephine drehte wieder den Kopf und tastete mit den Augen die Wände ab. „Oft habe ich sie auf ihren Reisen begleitet. Immer, wenn Ferien waren, durfte ich mitfahren. Das waren die schönsten Zeiten. Die allerschönsten.“

„Das verstehe ich.“ Sarah vermied es, länger die Wände anzusehen und betrachtete Josephine, die sich ihr wieder zuwand.

„Wir waren an so vielen Orten, Sarah. In Südafrika und in Russland. Und in Schottland. Warst du je an der schottischen Ostküste, Sarah?“

Sie schüttelte den Kopf. „Nein, leider nicht.“

„Ja. Du musst irgendwann dorthin fahren. Nie habe ich mehr Farben gesehen als dort. Sie sind so … satt. Verstehst du?“

„Ich schätze, schon.“

„Und Riga“, fuhr Josephine fort. Ein wenig Rot lag noch immer auf ihren Wangen, nun vermutlich nicht mehr aus Scham, sondern aus Freude. Ein kleiner Teil ihres Lebens war es nur, der ihr diese Erinnerung und Freude brachte, doch es war Freude. „Dort sind alle Farben anders. Wie überlagert.“

„Das würde ich gern einmal sehen“, sagte Sarah. Sie wollte es tatsächlich sehen. Einen Ort aus überlagerten Farben.

Auf einmal stand ihr Josephine ganz nah. Ohne einen Laut hatte sie einen Schritt gemacht und stand nun direkt neben Sarah. So nah, dass diese den Ring um ihre Iris sehen konnte.

„Ich war schon an so vielen Orten, Sarah“, sagte Josephine leise. Es klang beinahe wie ein Singsang. „Ich habe schon so vieles gesehen. Jeder Ort ist anders, jeder Ort …“ Sie holte tief Luft, als müsse sie kurz Kraft schöpfen, „… erzählt eine andere Geschichte. Und dieser Ort hier, dieses Gebäude, es erzählt eine Geschichte, die niemals endet. Hört du sie, Sarah?“

Sie spürte Finger aus Eis über ihren Rücken wandern, die Wirbelsäule entlang, bis in den Nacken hoch.

„Er erzählt eine Geschichte“, fuhr Josephine fort, in dem leisen, sich wiegendem Ton. „Ich kann sie hören, Sarah. Und ich kann sie sehen. Ich sehe die Geschichte, Sarah.“ Josephine blickte erneut zu den Wänden, betrachtete sie aufmerksam, dann drehte sie den Kopf zurück, auf ihren Lippen ein Lächeln. „Ich höre sie, Sarah. Ich höre diesen Ort. Ich höre dieses Haus. Die Wände, Sarah.“ Sie kam näher, ganz nah nun. „Sie verformen sich. Du hast es gesehen.“

Sarah fühlte die Hand aus Eis, sie tastete mit schmalen Fingern nach ihrem Haaransatz. Sie wollte einen Schritt zurück machen, sich von Josephine abwenden, doch die griff nach ihrem Arm und hielt sie fest. „Hörst du, was dieses Haus sagt? Siehst du es? Die Wände, Sarah. Die Wände brechen ein.“

 

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-Auszug aus Nathen

Es geht Dich nichts an …

… wie ich heiße.

Okay? Und es geht Dich auch nichts an, was ich hier mache, mitten in der Nacht. Dasselbe könnte ich Dich fragen. Das hier ist kein guter Ort, sagst Du? Dann verschwinde doch! Und hör auf, mich so anzusehen.

Das ist hier ist kein guter Ort, da gebe ich Dir recht. Ganz Nathen ist es nicht. Und doch tun wir, was wir tun. Nicht wahr? Und nun zisch …

Nein. Ich habe nichts gesehen. Ich habe … Ich weiß nicht, wovon Du sprichst. Lass mich in Ruhe!

Lass mich los! Ich werde gar nichts sagen! Und ich gebe auch nichts zu! Was soll das hier werden? Ich sagte bereits, ich habe keine Ahnung, wovon Du sprichst! Ich habe nichts gesehen! Oder … etwas. Keinen … Keinen Mann. Mit einem Herzen aus Stahl. Das ist … Du solltest dich mal untersuchen lassen. Ich gehe jetzt. Sprich mich nie wieder an.

Nein, hör auf … Eine gebückte Gestalt? Mit einem riesigen Körper, unförmig wie ein Kasten? Und Fingern … Nein, ich will das nicht hören. Lass mich in Ruhe.

Und komme nie wieder an diesen Ort.

 

 

Ich bin Sarah.

 

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– Ganz lieben Dank an Nika für das Bild! –

Hallo, alter Freund. Stirb noch ein wenig mehr.

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Es ist wieder soweit. Gut, dass ich im Urlaub bin und einen Bogen um sämtliche Supermärkte machen kann. Es fliegt also nichts außer Steine, Fische und Pilze. Nun ja, reicht auch…
Ich verbringe eine Woche meines Urlaubes im Thüringer Schiefergebirge, es ist dunkel, kalt und windig; der perfekte Ort, um mich auf eines meiner nächsten Projekte einzustimmen. Mit dem Roman „Das Leitmann Syndrom“ werde ich einen Ausflug in das Horror Genre wagen. Jawohl, Horror.
Was eignet sich besser, die düstere Einstimmung abzurunden als ein Horror Roman?
Ich widmete mich also King, obwohl ich vorhatte, es nicht mehr zu tun. Von seinen neuen Werken war ich einfach zu enttäuscht. Und nicht in dem Sinne Mann, das kann er aber besser!, sondern auf emotionaler Schiene. King begleitet mich, seit ich bewusst lese, und er hat mir Inspirationen geschenkt, von denen ich heute noch zehre. Von den Alpträumen ganz zu schweigen.
„Doctor Sleep“ ist die Fortsetzung des großartigen Shining, erster Minuspunkt sozusagen. Ich halte generell nicht viel von Fortsetzungen, jedenfalls, was Romane betrifft. Außerdem war ich froh, zusammen mit Danny Torrance der Hölle einigermaßen entkommen zu sein, und ich weigerte mich vor einem Blick in seine Zukunft. Dieses Gefühl schien sich auf den ersten Seiten zu bestätigen. Die Geschichte schien auserzählt.
Der gute King hat mir alle Vorurteile um die Ohren geknallt. Während ich hier sitze, habe ich die Hälfte durch, und ich bin so beeindruckt, dass ich das erstmal festhalten muss. Wäre ich fies, würde ich sagen, King trinkt wieder. Sein Genie, sein meisterhafter Blick in unsere tiefsten Abgründe, schreien mir in Doctor Sleep entgegen, alles, was ich vermisst hatte, versteckt sich auf den Seiten dieses Wälzers. Als hätte es auf mich gewartet.
Doctor Sleep ist Fantasy. Horror Fantasy, wenn es so etwas gibt. So etwas Ähnliches kam schon in Der Talisman auf, doch in jenem Roman waren es nur ein paar Seiten, auf denen ich dachte: Hey, da ist er ja wieder!
In Doctor Sleep baut der Meister des Horrors mächtige Stränge um Danny Torrance auf, der inzwischen erwachsen ist. Und wieder schafft es King, uns einen offensichtlichen Verlierer so sympathisch zu verkaufen, dass man sich beinahe ihn in verlieben muss. Dan ist trockener Alkoholiker-Die Geister unserer Eltern sowie Autobiographisches werden ganz öffentlich zur Schau gestellt-und das Shining, welches durch den Alkohol geschwächt wurde, ist stärker als je zuvor. Dan hat gelernt, damit zu leben, böse Geister wegzuschließen, und mit seiner Gabe sogar Gutes zu tun. Halleluja! So etwas ist man von King nun wahrlich nicht gewohnt. Er selbst auch nicht, und diese Gewissheit zaubert uns jenen Schauer auf die Haut und ins Herz, den ich sehnlichst vermisst habe.

Es gibt einen Gegenspieler. Natürlich. Dieses Etwas wird langsam von King aufgebauscht, es erhebt sich langsam und irgendwie unscheinbar aus dem Hintergrund, und hier werden die Grenzen dessen, was wir eindeutig als das Böse benennen würden, so verwischt, dass ich nur von einem stilistischen Wunder sprechen kann. Eine Perfektion des Handwerkes.
Ich bin kaum mehr ansprechbar. Doctor Sleep muss ich beenden, heute noch, und wenn es das Letzte ist, was ich tun werde.
Schönen Dank auch, mein Meister!

(Überschrift: Zitat aus Doctor Sleep von Stephen King)