Schlagwort-Archive: Musik

Vertraue …

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… Deinem Festival.

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Ja, tu es! Das Maifeld Derby Festival, nicht nur für mich ein jährlicher Herz-Pflichttermin, ist immer verlässlich, wenn es darum geht, Menschen mit Gitarren auf Bühnen zu holen, die einen verzaubern. Dieses Jahr ganz groß geschehen bei Roo Panes. Das sitzt man tatsächlich mit offenem Mund und weiß erstmal nicht weiter. Allgemein hat mir mein Lieblingsfestival noch nie so viel Freude bereitet wie am vergangenen Wochenende. Gleich der erste Akt war ein Volltreffer, und so ging es munter weiter. Ich erinnere mich, wie wir die vergangenen Jahre immer mal auf den Grünflächen rumlagen, aber 2017 – nichts. Es haben sich viele zu viele gute Bands und Künstler aneinandergereiht. Von den Parallel-Auftritten will ich hier mal gar nicht anfangen …

 

Richtig erwischt hat es mich bei Moderat. Obwohl im Festival-Büchlein als Elektronische Konzert-Tanz-Messe allerhöchster Güte angepriesen und vorher am Merch schon alles weg, hat es mich eher zufällig ins Palastzelt verschlagen. Dem Musikgott sei Dank! Ich mag ja eher handgemachte Musik, aber im Sommer muss es Beat sein. Und Moderat verbinden Stimme, Melodie und Wumms! auf so eine fantastische Art und Weise, dass mir ganz anders wird. Da mag ich gleich die ganze Nacht durchtanzen und so. In nächster Zeit werde ich euch immer mal von den Acts berichten, die mir am besten gefallen haben an diesem wundervollen Wochenende in Mannheim. Duchmischt mit Literatur, denn da gibt es ebenfalls Großes zu berichten! Nun gehet und singt.

 

 

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Walked in an very straight line

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Der Oktober hat es in sich, nicht nur, was die Literatur angeht. Gleich drei große Musikmenschen (+Anhang) haben neue Alben am Start. Auch Okkervill River haben nachgelegt, das aber schon letzten Monat. Habe ich irgendwie nicht mitbekommen. Nun ja.

Lisa Mitchell. Was soll man sagen? Immer wieder stolpere ich über ihr unbeschreibliches Talent; die Musik, die sie macht, begleitet mich schon seit Jahren. Ja ja, das neue Album ist glatter und reifer und poppiger und vielleicht radiotauglicher. Ich liebe es trotzdem. Die gute Frau Mitchell schafft Neues, um sich dabei dennoch treu zu bleiben. Darum geht es doch, oder? Auf „Warriors“ findet man einige tanztaugliche Songs, angetan haben es mir wie immer die ruhigeren. Die Melodien nur angedeutet, alles ziemlich melancholisch. Ich finde, das ist Lisa Mitchells Königsdiziplin. Und so wandert einer der Songs direkt auf die Playlist für mein aktuelles Romanprojekt …

 

(Überschrift: Zitat aus Warriors von Lisa Mitchell)

Don’t pin all of your dreams on me

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Die größte Überraschung, die das musikalische 2016 bisher zu bieten hat, bringt ganz eindeutig Bear’s Den. Ich sage bisher, denn da sind ja noch Lisa Mitchell und Motorama im Oktober am Start. Motorama, versteht ihr?

Das Album Red Earth & Pouring Rain haut mich total um, warum, vermag ich gar nicht so recht zu sagen. Vielleicht ist es dieser subtile 80er Sound, der überall durchschwingt, vielleicht ist es dieser typische Bear’s Den Klang, dem die Engländer noch eine ordentliche Schippe Melancholie draufgeladen haben. Es geht sehr viel um die Liebe in dem neuen und für mich ganz klar besten Album. Nicht, dass ich was dagegen hätte, ich bin ein großer Fan, aber in der Musik und in der Literatur ist die Grenze zwischen melancholischer Wahrheit und Kitschgesäusel extrem dünn. Ich meine, wer kann es sich schon erlauben, You’re the love of my life zu singen, ohne dabei schwulstig zu klingen? Hm, hier haut es hin. Sehr, sehr schön. Wirklich.

Heathcliff, it’s me

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Guckt mal, was ich grad beim Playlist-Basteln, eine meiner liebsten Beschäftigungen, entdeckt habe …

Bücher, die andere Menschen beeinflussen, oder so beeindrucken, dass diese wiederum aus der Bewunderung ein Kunstwerk entstehen lassen, sind doch etwas ganz besonderes, nicht wahr?

Die Sturmhöhe ist eines der Werke, welches mich immer wieder aufs Neue fasziniert. Die perfekte Spätsommer/Herbstlektüre. Ach, Heathcliff …

 

 

And between the years …

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… I might have come to know you but I don’t own you, that much is clear.

Nun waren sie also gestern in München, die wunderbaren Musiker rund um Sänger Matthew Hegarty. Eingeleitet und immer wieder angekündigt von Ryan O’Reilly, der über nichts anderes sang als über die Liebe. Reicht aus als Werbung, oder?

Das Milla ist echt schnucklig, so ein kleines Kellergewölbe, in dem man schon mal vor der Bühne hört, wie auf der anderen Seite Gläser gespült werden. Bei Motorama war mir das nicht aufgefallen, aber die waren ja auch wild und laut, was man von den Engländern MATA nicht behaupten kann. Hegarty ist ein Mann der leisen Töne. Er ist ein Künstler durch und durch. Wie jetzt, ihr habt von mir eine objektive Berichterstattung erwartet? Pfff.

Ich erzähle und schwärme ja immer und immer wieder von der Leidenschaft, besonders von der leidenschaftlichen Kunst. Und gestern habe ich sie defintiv gesehen. Ich habe sie erlebt. Erst mal bin ich noch immer entsetzt, wie jemand tatsächlich solche Stimme haben kann, so tief und voluminös. Das soll mir mal einer erklären. Ebenso hingerissen war ich von der Tatsache, dass fünf Menschen solch raumgreifende Musik entstehen lassen können, satt und tief, selbst in einer Akkustik-Variation. (Elijah)

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Hegarty singt nicht nur, er prangert an. Er predigt. Zwischendurch fragte ich mich immer mal, ob der Mann auch Freude hat, an dem was er tut, wirkte er doch manchmal sehr … verbissen. Es schien ihm wichtig, seine Geschichte an den Mann zu bringen. Die Leidenschaft, ach.

Ganz große Freude hat auch der Drummer bereitet, der viele Songs aufgepeppt und verwandelt hat und trotz einer Fußverletztung (ja, manche treten auch mit Plastiktüte am Bein auf), ordentlich Gas gegeben hat.

Im Großen und Ganzen geht es bei MATA eher ruhig zu, was nicht heißen soll, dass man nicht tanzen kann. Pale Sun Rose war einer der flotteren Nummern und hat gezeigt, dass die Musiker wunderbar harmonieren und Spaß zusammen haben. Auch um das Publikum war man bemüht, als in der Bonusrunde der Liebling I followed fires zum Besten gegeben wurde, und das auch noch in der Menge, war es wohl um jeden Gast geschehen. Allgemein zeigten sich die Besucher textsicher, auch war der kleine Club recht voll, wohl ein Zeichen, dass aus der Indie-Perle MATA etwas Größeres wird. Nicht, dass ich das nicht vorausgesagt hätte …

Ich bin jetzt noch größerer Fan als bisher schon, besonders, weil Temple als Opener gespielt wurde, eines meiner derzeitigen Lieblinge. Und dann, wer hätte das gedacht – Out of the darkness – jener Song, der mich zu einem ganzen Roman inspiriert hat. Und von dem ich eigentlich dachte, dass ich ihn niemals live höre werde, weil er … nun ja, wirklich einer von der langsamen Truppe ist. Ich habe ihn also als eine Extra-Zugabe für mich betrachtet 😉 Und wieder eine Schaufel Inspiration mitgenommen, wenn nicht eine ganze Wagenladung.

Matthew and The Atlas touren weiter, im Oktober sind sie wieder in Deutschland. Leute, geht hin!

 

I don’t want you …

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… to feel alone.

Manchmal packt es mich, und dann brauche ich ganz ganz dringend neue Musik. Wie ein Junkie auf Entzug bin ich dann. Oft treibe ich mich in diesen Phasen bei dem guten Callmeappetite herum, der hat immer fetzige Ideen, und oft wird man fündig, auch was Sachen angeht, die man gar nicht gesucht hat. Davon erzähle ich euch noch.

Aus aktuellem Anlass aber erst etwas anderes. Seit den Musikgöttern aus Kanada – jahaaa, Wintersleep- hat es niemanden mehr gegeben, der mich auf diese eine Art und Weise inspiririert hat. Oder infiziert. Bis sie kamen.  Matthew and the Atlas. Für einen Song der Engländer habe ich einen Roman geschrieben.

Nun kommen sie endlich nach Deutschland, am 23 Juli spielen sie in München. Was soll ich dazu noch sagen? Kunst ist das, ganz große. So alles verzehrend, schmerzhaft, tröstlich. Bei Matthews Worten denke ich ganz oft: „Ja, genau so!“, und ich habe auch endlich eine Antwort gefunden auf die Frage, warum es manchmal dieser eine Künstler ist und eben kein anderer: Weil keine andere Band solche Musik macht. Ist doch ganz simpel, oder?