Kindliche Ängste und Ich-Stachel – Im Gespräch mit Wiebke Tillenburg

Wiebke

 

 

Wiebke Tillenburg

wiebke-tillenburg.de

@feder_tier

 

 

 

 

 

Herzlich Willkommen, liebe Wiebke! Wir freuen uns, dass Du bei den Sehnsuchtsfluchten dabei bist.

Vielen Dank. Ich freue mich auch unglaublich, da ich sehr viel lernen konnte und die Zusammenarbeit mit so vielen Autoren unheimlich inspirierend und motivierend empfand. Und das, wo ich noch nicht mal alle Geschichten gelesen habe.

Beabsichtigte Emotionen ist gleich ein super Einstieg: Es war ein Anliegen von Dir, mit der Geschichte „Mein stummer Begleiter“ bestimmte Emotionen zu wecken?

Ja, das war es. Schon durch die Themenvorgabe „starke Emotionen“ wollte ich nicht nur eine Geschichte über Emotionen erzählen, sondern den Leser diese Emotionen erleben lassen. Im Fall von „Mein stummer Begleiter“ ist dieses Anliegen ein wenig über mich hinaus gewachsen. Ich habe zunächst nur mit der kindlichen Angst gespielt und das was am Ende daraus entstanden ist, hat mich selbst überrascht. Als ich die ersten Reaktionen zu der Geschichte bekam, habe ich mich unglaublich gefreut und war auch ein bisschen stolz auf mich, da sogar unsere „Wortdompteuse“ beim Lektorieren kalte Füße bekam.

Ich finde, der Stolz darf über das Bisschen hinauswachsen! Emotionen zu wecken ist gar nicht leicht!

Vielen Dank. Ich neige in solchen Fällen zu Zurückhaltung.

Damit müssen wir aufhören!

Die kindliche Angst. Wie hast Du sie gefunden? Oder wie hast Du nach ihr in Dir selbst gesucht? Und hast Du das überhaupt?

Ich würde behaupten, dass mein inneres Kind noch sehr lebendig ist und es mir leicht fällt, mich in Kinder und ihre Ängste und Sorgen hinein zu versetzen. Ich höre Kindern und Jugendlichen gerne zu und versuche ihre Sichtweise auf verschiedene Dinge nachzuvollziehen, was mir oft gelingt. Ich habe das im Bereich der Jugendarbeit gemerkt und dieses Gespür auf meine Texte übertragen. Darüber hinaus neige ich selbst zu eher kindlichen Ängsten. Also Spinnen, Aufzüge, Rolltreppen, Puppen mit Klapperaugen und eben die Angst vor der Dunkelheit und dem was unsere Phantasie daraus macht. Mich fasziniert die Angst. Ganz besonders die Angst aus und vor dem Nichts, für die Kinder oft besonders anfällig sind, und so schleicht sie sich immer wieder in meine Texte.

Ich liebe diese Antwort!

Danke.

Dann ist es auch ein Leichtes für Dich, empathisch zu sein, nehme ich an.

Tatsächlich glaube ich, dass das meine größte Stärke ist. Ich kann Menschen häufig sehr gut einschätzen und habe schnell ein Bild vor Augen, das sich oft bestätigt. Mir fällt es dann auch leicht auf meinen Gegenüber einzugehen, daher ist es selten, dass ich mit einer Person gar nicht auskomme.

Die Angst im Kind. Denkst Du, dass es gewisse Ängste gibt, die wir ins Erwachsenenalter mitnehmen sollten?

Auf jeden Fall! Wir können von Kindern unheimlich viel lernen und das eben auch über Ängste. Bei Kindern handelt es sich ganz oft um existentielle Ängste. Die sich oft auf Verlustängste zurück führen lassen, die wir als Erwachsene manchmal verdrängen. (Zumindest ist das mein Eindruck.) Außerdem denken Kinder sehr viel nach. Über alles und immer. Daraus wachsen Ängste, die Erwachsene oft gar nicht nachvollziehen können. Beobachten und Nachdenken ist es, was wir von Kindern lernen sollten und auf diese Weise eben auch eine Menge über Ängste.

Nochmal zu der Empathie: Denkst Du, dass es ebenso … nennen wir es Risiken, bergen kann, mit einer hohen Bereitschaft an Verständnis an jeden Menschen heranzutreten?

Allerdings. Das habe ich auch schon erlebt. Man neigt dazu, sehr häufig Erklärungen, bzw. Ausreden für jemanden zu finden, der es vielleicht gar nicht verdient hat. Und es gibt manchmal auch Worte, Verhaltensweisen oder Handlungen, die mit keinem Perspektivwechsel zu erklären sind und eben einfach falsch. Und selbst wenn es unzählige solcher Beispiele gibt, fällt es dann immer noch schwer eine Person zu verurteilen und sich zu distanzieren. Letztlich verletzt man sich mit dieser Empathiebereitschaft dann nur selbst.

Reden wir über Ein Tag wie jeder andere. In dieser Geschichte steckt unheimlich viel Aktualität, ebenso Themen, die immer eine Rolle spielen werden. Und auch hier haben wir wieder die kindlichen Ängste.

Das ist wahr. Es ist eine sehr persönliche Geschichte, die mir auf Grund ihrer immer währenden Aktualität auch sehr am Herzen liegt.

Interessant finde ich Deine Erzählweise, wir haben hier ein Dreiergespann: Den Protagonisten, die Erzählstimme und den Leser selbst. Du hast Dich gegen die Ich-Perspektive entschieden. Aus einem bestimmten Grund?

Ich habe so meine Probleme mit der Ich-Perspektive. Oder eher gesagt mit dem Wort „Ich“. Für mich klingt es wie ein kleiner giftiger Stachel, der sich ins Ohr setzt und uns alle ein wenig vergiftet. Im Falle von „Ein Tag wie jeder andere“ brauchte ich darüber hinaus auch einfach etwas Distanz zum Text, Thema und zu den Personen. Außerdem denke ich, dass bei diesem Thema oder sogar bei beiden meiner Geschichten, jeder Leser seine eigene Perspektive mitbringt, der ich natürlich auch Raum geben möchte.

Wahnsinnig interessant! Besonders, dass Du die Distanz ansprichst! Ich persönlich fand es umso schlimmer, da ich gezwungen war, mich selbst mit reinzuspielen. Dieser „Trick“ fasziniert mich. Und Du hattest ursprünglich das Bedürfnis, Dich selbst zu distanzieren vom Geschehen, bringst dadurch den Leser vermutlich noch näher. Bemerkenswert.

Ein Ich-Stachel?

Erstmal Danke, das klingt total großartig. Aber manchmal „passieren“ mir solche Sachen beim Schreiben einfach. Umso schöner, dass es so gut ankommt.

Das „Passieren“ liebe ich immer am meisten.

Der Ich-Stachel bezieht sich auf diverse Formen von Egozentrik und Egoismus, der mir immer wieder begegnet. Und obwohl ich Einzelkind bin, habe ich Probleme mit dem Wort „Ich“.

Zum Passieren: manchmal darf man als Autor nicht zu viel nachdenken. Denke ich.

Hm. Da muss ich erstmal ein paar Wochen drüber nachdenken. Über den Stachel.

Das ist auch ein schwieriges Thema mit vielen Gratwanderungen. Bis zu einem bestimmten Maß ist Ich-Bewusstsein sehr wichtig.

Mit dem Verkopfen gebe ich Dir recht. Hundertprozentig! In Geschichten und wie man sie erzählt, darf und sollte man etwas wild sein dürfen. Damit sind wir beim mutigen Schreiben.

Zu dem schwierigen Thema können wir nochmal zurückkommen. Das ist sehr spannend.

Das ist ja auch nur meine persönliche und sehr individuelle Wahrnehmung.

Die Deine Art, Geschichten zu erzählen und damit Deine Kunst maßgeblich formt.

Das gilt für jeden Schreibenden. Man muss nur seinen Weg dorthin finden. Es hat lange gedauert, bis ich einen Zugang zu meinen Texten gefunden habe. Ich erkenne jetzt schon eine große Veränderung, die zwischen meinen ersten und meinen aktuellen Texten stattgefunden hat.

Ja! Diesen Weg zu finden, erfordert es Mut?

Sehr viel. Oder zumindest es umzusetzen. Ich bin mutiger geworden in Bezug auf meine Sprache. Also weniger Sprachspielereien und mehr Inhalt. Und ich experimentiere mehr. „Mein stummer Begleiter“ ist da ein gutes Beispiel. Ich hätte mich früher niemals getraut, eine Geschichte mit relativ wenig Handlung zu schreiben, um das Innenleben eines Menschen zeigen. Noch vor einem Jahr wäre mir das zu komplex gewesen.

Weniger Handlung, mehr Mensch. Darum geht es ja auch, wenn man Emotionen auf der Spur ist.

Wir haben jetzt über die Empathie der Autorin Wiebke gesprochen. Wie sieht es mit der Leserin Wiebke aus? Wie wichtig ist es Dir, Emotionen in Texten aufzuspüren? Wie erreichen sie Dich?

Ich denke, Emotionen sollten der Kern eines jeden Textes sein. Sie sind Grundlage für Handlungen, Entscheidungen, Konflikte, Gespräche und alles, was sonst eine gute Geschichte ausmacht. Ich denke, eine Geschichte, die keine Emotionen auslöst, kann nur schwer Leser gewinnen. Diese Emotionen müssen nicht mal explizit sein oder Kern der Geschichte, aber sie müssen den Leser erreichen. Und bei mir gelingt das am besten über die Identifikation mit einer Figur oder über das Thema, das mich in besonderer Weise berührt.

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Die Anthologie war zugleich ein Experiment, eine Art Gruppenarbeit. Wie empfandest Du diesen Prozess?

Für mich war es ein großer Gewinn. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, mich anderen Autoren auszutauschen über gemeinsame Probleme und Sorgen und ebenso unterschiedliche Herangehensweisen. Mir ist auch aufgefallen, dass wir alle sehr unterschiedlich sind. Wir vertreten eine große Altersspanne und verschiedene Persönlichkeiten, das hat die Arbeit unheimlich inspirierend gestaltet. Darüber hinaus konnte ich sehr viel lernen. Vor allem von unserem interaktiven Lektorat, aber auch über mein eigenes Schreiben und meine Ziele als Autorin. Schön war auch, dass wir als Autoren an nahezu allen Prozessen beteiligt waren und viel Mitspracherecht hatten. Es führt dazu, dass alle sich sehr gut mit der Anthologie identifizieren können und sich wohl fühlen, darin veröffentlicht zu werden. Und das ist nicht selbstverständlich.

Liebe Wiebke, ich danke Dir von Herzen für dieses tiefgehende Interview!

Ich danke ebenfalls für die großartigen Fragen, die mir die Möglichkeit geben, einen Einblick in meinen Kopf zu bieten.

 

Seele, Mut und Angst – Im Gespräch mit M.D. Grand

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Seit gut einer Woche sind die Sehnsuchtsfluchten erhältlich, und heute stelle ich euch eine junge Autorin vor, die sehr unterschiedliche Geschichten für die Anthologie schrieb. Besonders eine von ihnen lässt nach diesem Interview noch länger innehalten.

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M.D. Grand

https://schatten-fantasy.jimdo.com

@md_grand

 

 

 

 

 

Liebe Marlen, Herzlich Willkommen bei  den Sehnsuchtsfluchten!

Danke, dass ich dabei  sein darf!

Das Thema ist groß. Emotionen!

Aber etwas, womit bestimmt jeder was anfangen kann.

So sollte es sein. Es aufzuschreiben ist vielleicht schwieriger. Es … festzuhalten. 

Das stimmt auf jeden Fall.

Deine Geschichte „Wörterbuch dessen, was bleibt“, hinterlässt einen nach dem Lesen in einer gewissen Schockstarre. Hast du sie extra für die Anthologie geschrieben?

Zum Teil. Ein Grundgerüst hat es gegeben, aber nicht als Geschichte, sondern als eine Art Tagebucheintrag. Also genau genommen hatte ich viele einzelne Sätze unzusammenhängend, eine Sammlung an Gedanken zum Thema, die ich nicht richtig zuordnen konnte, aber ich habe es nie geschafft, diese Satzfragmente in eine sinnvolle Ordnung zu bringen.

Zuerst wollte ich nur „Liebe Abby“ abgeben, aber dann habe ich meinen Laptop durchforstet, ob ich noch Geschichten finde und bin über diese Satzfragmente gestolpert. Zuerst war ich mir sehr unsicher, ob ich diesen Seelen-Striptease überhaupt hinlegen will oder ob ich das so hinbekomme, wie ich möchte … Zum Glück hat Nika mich motiviert, es ihr zu schicken.

Zum Glück hat sie das getan! Seelenstriptease – Da sind wir gleich beim Thema. Mich hat deine Geschichte ordentlich durchgerüttelt. Ich hatte Gänsehaut und einen Kloß im Hals.

Ich weiß nicht ob mich das freut oder ob es mir leid tut. Bisschen von beidem.

Glaubst du, es gibt so etwas wie eine Rechnung? So viel Emotionen, wie man in einen Text reinsteckt, so viel bekommt man wieder? Vom Leser, meine ich.

Das kann gut sein, aber dann tun mir die Leser sehr leid. Ich hoffe, ich transportiere nur halb so viel Leid, wie ich reingesteckt habe …

Was? Was für eine Antwort! Dann hast du dir also etwas von der Seele geschrieben. Kann man das so sagen? Oder würdest du einen anderen Begriff wählen?

Ich würde sagen ich habe ein Stück meiner Seele aufgeschrieben. Dieser Text ist der einzige, den ich jemals geschrieben habe, der „persönlich“ ist – und damit ist er auch der wichtigste für mich. Ich rede nicht viel über dieses Thema, weil es für jeden, der dabei war, sehr schmerzhaft war und niemand den anderen in einem guten Moment daran erinnern möchte. Insofern könnte man sagen, dass es ein Geheimnis ist, das ich den Lesern anvertraue. Er ist ehrlicher als alles, was ich jemals dazu sagen könnte oder würde. Man will niemandem weh tun, nicht die falschen Worte wählen… Aber der Text gibt einem sozusagen Immunität.

Wow. Danke für dein Vertrauen. Und deinen Mut! Ein Stück meiner Seele aufgeschrieben. Was für ein Satz!

Ich muss gestehen, ich habe ein bisschen Angst davor, was die Leute sagen werden, die dabei waren, aber auf der anderen Seite … Ich werde nicht dabei sein, wenn sie es lesen (hoffe ich) und die verspäteten Reaktionen sind immer nur halb so wild. Und sie können selbst entscheiden, ob sie bereit dazu sind, es zu lesen.

Du hast Angst vor den Reaktionen auf deine Emotionen?

Ja, irgendwo schon.

Hm. Dabei hat jeder doch das Recht auf seine Emotionen, oder? Und du hast dich dafür entschieden, es niederzuschreiben. War es eine Überwindung?

Das Aufschreiben nicht, aber das Veröffentlichen. So viel Ehrlichkeit zu Fremden – und noch schlimmer – zu denen, die ich kenne und die es lesen und wissen, worum es geht. Ich muss sagen, die Frage fällt mir sehr schwer zu beantworten. Wie kann ich das erklären …

Ich hab einfach Angst, dass der Text ein bisschen hart ist. Bisschen zu viel Ehrlichkeit. Aber auf der anderen Seite zwinge ich ja niemanden, es zu lesen.

Du hast ihn für dich geschrieben.

Genau! Das ist es!

Ich möchte auch noch etwas zu dem Gedicht am Anfang sagen. Also, dieses Gedicht ist mir fast noch wichtiger als die Geschichte. Es ist nicht von mir, sondern von der Person, um die es in der Geschichte geht. Ich habe ihr – oder eher mir – versprochen, dass ich dafür sorge, dass wenigstens ein Teil von dem, das er geschrieben hat, an die Öffentlichkeit kommt. Und damit ist der erste Schritt meines Versprechens erfüllt – etwas, das mir eben unglaublich wichtig war. Damit ist es sozusagen von uns beiden.

Wie lange ist es her?

2 Jahre im August.

Noch ganz frisch. Es tut mir leid.

Das seltsame ist, er ist bald länger tot, als ich ihn gekannt hab. Irgendwie…weiß nicht. Komisch.

Und ich weiß noch immer nicht was die korrekte Antwort auf „Es tut mir leid ist“… danke?

Das ist es tatsächlich. Ein merkwürdiger Gedanke.

Vielleicht gibt es keine Antwort auf Es tut mir leid.

Ja vermutlich.

Magst Du uns noch sagen, welche Anforderungen Du als Leser an einen Text hat, der Emotionen in Dir wecken soll?

Also um es böse zu sagen: die Vorlagen für „Wörterbuch dessen was bleibt“ sind ja nicht von mir, sondern fast zu unglaubwürdig-schön der Realität entnommen. Daher auch der Kapitelvergleich. Er hat einfach scheiß-gut-böse vorgelegt. Da gibts noch viel mehr noch bildhaftere Details aber das werde ich vielleicht mal in einer längeren Geschichte darlegen. Will ja keinen verstören.

Nun ja. Man kann von etwas berichten. Oder man kann etwas so erzählen, dass den Zuhörer fröstelt.

Emotionen weckt was glaubwürdig ist? Würde ich mal sagen.

Und glaubwürdig schreiben ist … ?

Haha. Okay. Jetzt hast du mich. Na gut. Also glaubwürdig ist, was ich mir als Leser vorstellen kann. Egal ob lustig oder traurig – wenn es in meinem Kopf Gestalt annimmt, bin ich auch emotional dabei. Deshalb weine ich immer bei traurigen Büchern und werde im Zug angeschaut, als wäre ich verrückt, wenn ich plötzlich zu lachen beginne!

Dito!

Der Helm auf den Schuhen.

Ja, irgendwie hat der mich am meisten traurig gemacht.

Ja, das war so er. Mit dieser Selbstverständlichkeit. Hatte es selbst vergessen, bis ich es wieder gelesen habe.

Ja. Genauso sehe ich ihn vor mir. Und das hast du beschrieben, ohne seine Person auch nur zu nennen. Mit einem Helm und Schuhen.

Klaus. So hat er geheißen.

Ein ungewöhnlicher Name.

So wie er.

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Kommen wir nun zur letzten Frage: Die Anthologie war ja auch ein Experiment, eine Art Gruppenarbeit. Wie empfandest du diesen Prozess?

Toll. Ich bin Karena sehr dankbar, dass sie mich da mit hinein geholt hat! Ich wusste nicht, dass ich Kurzgeschrichte schreiben kann – und ohne euch hätte ich keine der drei Geschichten jemals so geschrieben, noch veröffentlicht. Also falls ihr neue Ideen habt: bitte plant mich fix ein!

Machen wir sofort! Liebe Marlen! Ich danke dir für dieses ehr offene Gespräch und deinen Mut!

Liebe Julia, danke dir!

Mehr Mut beim Schreiben!

Letztes Jahr las ich einen Artikel darüber, dass man sich mehr trauen sollte beim Schreiben. Oder überhaupt was trauen. Exhibitionistisches Schreiben. Immer wieder denke ich an die Worte, die der Schriftsteller an alle, die schreiben, richtete. Und am meisten an sich selbst.

Ich versuche das auch. Es gehört immer dazu, was von sich preiszugeben, das ist klar. Kunst ist immer dann am besten, wenn sie persönlich ist. Das macht sie authentisch. Kunst drückt etwas aus. Eine Geschichte tut das, sie erzählt nicht nur. Ich muss zugeben, dass ich damit Probleme habe. Viel zu oft halte ich eine Figur zurück, weil ich denke, ich selbst würde das jetzt nicht tun. So ein Unsinn!

Bei meinem derzeitigen Projekt geht es auch schon wieder los. Die Heldin ist die 17jährige Sarah (mit dem Namen bin ich noch unzufrieden), die zwar sensibel und empathisch ist, aber auch aufbrausend, wild, und gern mal Jungs eine scheuert. Wie entwickelt man solch einen Charakter, der einem selbst nicht ähnlich ist? Wie baut man ihn aus und hält an den geschaffenen Merkmalen fest? Nicht einfach, die Aufgabe, aber ich freue mich drauf. Ich muss mir mehr trauen. So einfach ist das …

Wenn ihr irgendwelche Tipps habt, immer her damit!

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Dein Bruder isst Bleistifte.

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„Das kommt schon mal vor.“, ist die Antwort darauf.

Alles klar? Auch auf eine verrückte Art und Weise kann die Welt gerettet werden, das habe ich in Happy Smekday erfahren. Als ich mich neulich vor dem Jugend-Fantasy Regal rumdrückte, um zu sehen, was in diesem Genre grad so abgeht, sind mir gleich mehrere Bücher ins Auge gefallen. Begonnen habe ich also mit diesem Roadtrip von Adam Rex, in dem ein eljähriges Mädchen, ein Außerirdischer und eine Katze…nun ja, die Welt retten.

Lakonisch ist diese Geschichte geschrieben, knapp, wohl um die Sprache der Jugendlichen zu bedienen. Endlossätze, vollgestopft mit blumigen Adjektiven sucht man hier also vergeblich, und das ist gut so. Wem das zu wenig ist, um seine Fantasie anzuregen, dem sei mit Comics geholfen, die sich durch den Roman ziehen, ebenso mit Fotos, die Tip – eigentlich heißt sie Gratuity, aber das glaubt ihr niemand- auf ihrer Reise durch die Staaten schießt.

Nach einer Invasion der Boov macht sich Tip auf die Suche nach ihrer entführten Mutter, doch es gibt keine tränenreichen Szenen, kein Gezeter und keine schwulstigen Monologe; wie auch, schließlich hat Tip genug zu tun mit J.Lo (Der Außerirdische), mit Sau (Die Katze), sowie den Boov, die sie verfolgen, und Menschen, die sie versuchen, aufzuhalten, weil sie der Meinung sind, ein elfjähriges Mädchen sollte nicht allein durch Sperrgebiert fahren. Fahren tut sie übrigens auch nicht, das Auto mit Namen Slushious schwebt nämlich. Klingt seltsam? Ist es auch. Der ganze Roman ist seltsam. Seltsam komisch. Und die Dialoge sind einfach nur herrlich.

Ein wunderbar außergewöhnlicher Roman, und wer denkt, in einem Abenteuer mit Außerirdischen kann man keine Moral verstecken, der irrt. Die gute Tip hält nämlich so beneidenswert an Grundsätzen der Freundschaft, Treue und Loyalität fest, dass man sie nur als Heldin bezeichnen kann. Falls die Invasion der Aliens naht: Legen wir die Rettung der Welt doch in die Hände der Kinder!

 

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