Es ist …

vollbracht.

Es muss im Juni 2016 gewesen gewesen sein, als ich euch das erste Mal von Nathen berichtete. Eine Geschichte, die von etwas erzählt, was mich schon seit einer langen Zeit beschäftigt. Das Genre festzulegen, fiel mir immer schwer. Fantasy, Horror, Entwicklung. Wichtig ist mir die Grundaussage, so wie eigentlich immer. Der Kern einer Geschichte, die Figuren, und wie sie sich rund um diesen Kern entwicklen, sind viel wichtiger als die Suche nach dem Genre.

Vor einer Woche habe ich Nathen beendet. Mit über 100000 Worten ist es mein bisher größtes Projekt. Einigen von euch mag das nicht viel vorkommen, für mich hingegen ist es das. Ihr wisst ja, dass ich kurze Texte bevorzuge, und das betrifft sowohl das Schreiben als auch das Lesen. Ich bin also gleichermaßen stolz und erschöpft 😉

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Nun geht es in die Phase des Überarbeitens. Pünktlich zum Abschluss dieses großen Projektes haben sich zwei neue Ideen angemeldet, mal sehen, welche von beiden sich vordrängelt. Da ich auch gern parallel schreibe, denke ich, ich werde mich vielleicht gar nicht entscheiden müssen 😉

Ich möchte ebenfalls verkünden, dass es bald etwas Neues von mir zu lesen geben wird. Wird auch mal Zeit, sagt ihr? Sehe ich genauso! Zum einen handelt es sich um eine Kurzgeschichte in einer Anthologie, zum anderen um eine Novelle. Sehr bald werde ich euch mehr davon berichten. Ich freue mich!

Seid lieb gegrüßt und genießt den Mai!

Welten …

… in Welten in Welten.

Oh, wie ich Welten liebe! Man lebt in ihnen, man stirbt in ihnen. Man liebt und leidet und fliegt und fällt. Letztens fragte ich mal auf Twitter, ob man Geschichten für sich selbst schreibt und bekam darauf sehr interessante und inspirierende Antworten. Diese führten wiederum zu der Frage, warum ich schreibe.

Ja, es gibt unheimliche viele Dinge, die mich bewegen und über die ich mir Gedanken mache. Diese Gedanken möchte ich mit der Welt teilen. Sie in eine Geschichte zu verpacken, erscheint mir als eine der hübschesten Möglichkeiten hierfür. In den letzten Monaten schrieb ich alle dieser Ideen nieder. Ja, alle. Ich habe mich dagegen entschieden, zu warten. Wenn eine Geschichte schreit, hole ich sie ab. Wird sie leiser, muss sie warten. Erst wenn sie sich wieder rührt, kümmere ich mich erneut um sie. Das ist eine sehr gewagte Art und Weise, zu schreiben, ich weiß. Ich habe ein ganzes Jahr dadurch verloren, mir ein System zu suchen. Es war ein schlimmes Schreibjahr. Und nun, da ich wieder parallel nach lauter und leisenden Stimmen schreibe, schreibe ich überhaupt wieder. Hach.

Natürlich hat diese „Technik“ viele Nachteile. Einer davon ist, dass viele Ideen als Geschichten beginnen und dann verstummen. Weil sie eben Ideen sind und keine Erzählungen. Ich nenne sie Puzzleteile. Was, wenn ich diese Puzzleteile miteinander verbinde, fragte ich mich eines schönen Tages. Natürlich müssen da einige Kniffe her, damit es funktionert. Ich schrieb eine Novelle, in der ich zwei Ideen ineinander puzzelte, eine große und eine kleine. Das war toll! Bei meinem aktuellen Projekt, ebenfalls eine Novelle, sind es mehrere Puzzleteile, alle etwa gleich bedeutend. Oh Oh, dachte ich. Das gelingt niemals. Es fehlte mir ein passender Einstieg. Ich wollte das Projekt zur Seite legen, und dann … geschah es! Ich hatte eine Idee. Diese war so mächtig, dass ich sie am liebsten als großes Projekt angelegt hätte. Doch ich entschied mich, sie als Einstieg für mein großes Puzzle zu nutzen. Zu opfern, könnte man ebenfalls sagen. Und es funktioniert. Es funktioniert so gut, dass ich das manische Schreiben wieder entdeckt habe. Das ist natürlich Unsinn. Die Manie hat mich wieder entdeckt. Das Puzzle wächst und wächst …

Was dabei herauskommen wird, wird eine Welt in einer Welt in einer Welt sein. Wieviele Welten, ist ungewiss, da ich die Anzahl der Puzzleteile jetzt noch nicht benennen kann. Ich webe weiter ein. Zudem bringt der Leser seine eigene Welten mit. Die Frage ist, sind diese Welten überhaupt gewünscht? Mag man Erzählungen, die sich wie Schachteln auftun und wieder neue Schachteln entdecken lässt? Ich mag es, sehr. Doch ich kann wie immer nur von mir sprechen. Darum ist das mein Experiment. Das Welten-Experiment. Seid dabei, wenn ich es präsentiere. Das würde mich sehr freuen!

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Test Test Test

-Lesen!

Ich wünsche euch einen tollen Start ins Jahr 2018! Ich habe beschlossen, mich nicht an Vorsätzen entlangzuhangeln, sondern mich auf auf die Highlights zu freuen. Da wären zum Beispiel die Buchmesse Leipzig im März, Maifeld Derby im Juni, der Sommerurlaub in Schottland/Dänemark oder Norwegen und die Buchmesse in Frankfurt. Ui, eine Menge, nicht wahr? Überhaupt bin ich für mehr Highlights, sie müssen ja nicht das Ausmaß einer Messe haben. Wie wäre es mit Blumen pflanzen, eigenes Gemüse ernten, tanzen gehen, einen Hund streicheln, die Küste aufsuchen oder … ähem ein Buch schreiben?

Und schon bin ich beim Thema. Ich erkenne einen Zaunpfahl, wenn er auf mich zukommt, und die liebe Magret hat einen ganzen Vorgarten geschwungen. Ich sollte mehr bloggen. Ja. Ich will.

Zurzeit bin ich viel mit Testlesen beschäftigt. Als ich für den Nachfolger der Anthologie „Sehnsuchtsfluchten“ einen Text einreichte, hatte ich das Gefühl, noch nie so gut oder zufrieden gewesen zu sein. Es gibt einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Aussagen. Das Testlesen könnte man ein wenig mit Abteilungsreiten vergleichen. Ruft der Trainer Deinem Vorreiter etwas zu, prüfe, ob Du selbst diese Anweisung einhältst. Sind Deine Fersen unten, zeigen die Zehen zu Pferd, blickst du in Laufrichtung? Wenn ich einen Kommentar in das Manuskript setze, welches ich lese, frage ich mich, ob ich mich selbst daran halte. „Aber“ nach dem Komma finde ich hässlich? Warum zum Teufel schreibe ich das dann selbst? Einen Dialog mag ich nicht zerrissen haben durch endlos eingefügte Nebensätze nach der wörtlichen Rede? Dann sollte ich sie selbst knapp halten, oder? Einer meiner schlimmsten Hasslieben: Wiederholungen. Warum fällt es nur auf, wenn man andere Texte liest, dass man ständig bestimmte Adjektive verwendet? Also fing ich an, darauf zu achten. Inzwischen gebe ich meine Lieblingswörter zur Suche ein und bin dann erstmal sprachlos. Auch ich bin ein Wiederholungstäter!

Vielleicht ist das alles für euch selbstverständlich. Theoretisch war es das für mich auch, doch ich bin ein Praktiker. Ich muss alles selbst erfahren/erleben und die Konsequenzen spüren, damit ich es langhaltig umsetzen und ändern kann. Zusammenfassend kann ich also sagen, dass ich mich bei den Autoren bedanken muss, die mir ihr Manuskript zum Testlesen anvertrauen. Danke, liebe Autorenfreunde!

Ein Danke auch an meine treuen Blogleser. Ich freue mich über jeden Besuch und natürlich Kommentar von euch! Welches sind denn eure Highlights in diesem jungen Jahr?

 

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Die schönsten Worte.

… des Jahres stehen für mich schon jetzt fest.

Ich bin früh dran mit dem Jahresrückblick, besonders wenn man bedenkt, dass ich dieses Wissen schon im Sommer hatte. Die drei stärksten literarischen Werke 2017 für mich sind diese:

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Besonders entzückt bin ich, da es sich ausschließlich um Werke von Schriftstellerinnen handelt. Überhaupt bin ich sehr froh, dass ich im Lesejahr 2017 mal wieder etwas erleben durfte, was man Genuss nennen kann. Manchmal liest man, weil man über die Bestseller etwas wissen oder sagen möchte. Manchmal liest man aufgrund von Empfehlungen oder weil es sich um den Lieblingsautor handelt. Doch Lesegenuss garantiert das bei weitem nicht. Ich spreche von jener Freude am Lesen, die einen den ganzen Tag an die Geschichte denken lässt und sich auf den Abend freut, an dem man das Buch endlich wieder in Händen halten kann. Ich kann nur für mich sprechen, doch diese Freude, diese Lust sucht mich nur selten heim.

Neben der Euphorie darüber bewegte mich auch eine andere Frage: Schreiben Frauen anders? Warum? Und ist das für mich als Leser wichtig, wer die Geschichte erzählt? Vielleicht können wir uns irgendwann zu diesem Thema unterhalten, es klingt spannend …

Heute will ich euch jedenfalls von den Büchern vorschwärmen, die mich weinen, lachen, seufzen, verstehen und stolpern ließen. Sie nahmen und nehmen noch immer viel Raum in meinem Gedankenunsiversum ein. Ich gebe ihn gern.

Die drei Bücher, die meine Top 3 Liste bilden, könnten unterschiedlicher nicht sein. Eines ist eine Novelle, das andere ein Tagebuch, und das dritte ein Krimi. Klingt das nicht nach einer ganz hervorragenden Mischung?

Ich liebe Novellen, am liebsten lese ich diese Form von Erzählungen. Durch ihren Umfang, der in der Literatur ja eigentlich keiner ist, zwingen sie die Geschichte auf den Punkt zu kommen. Sie können sich keine Ausschweifungen leisten, müssen trotz Knappheit in der Lage sein, ein Universum zu öffnen. Magret Kindermann gelingt es, und zwar ganz vorzüglich.

„Das denken Sie jetzt. Doch wenn Sie einmal schweigen, ist das wirklich nicht leicht zu brechen. Wirklich. Das nächste Wort muss ja besser als Schweigen sein, es darf nicht gewöhnlich sein, denn weshalb gehört es nach der Stille sonst ausgesprochen? Das Wort würde ein echter Schwerthieb werden, die Achse, um die sich ihre Beziehung dreht. Und Sie wollen nach dem Salz fragen?“

(Zitat aus Tulpologie von Magret Kindermann, TWENTYSIX)

Magret Kindermann schreibt knapp. Ich mag Knappheit und ich weiß, wie schwer es ist, Geschichten auf diese Art einzufangen. Die Autorin schafft es mit Sätzen wie „Das musste die Erkenntnis der Vergänglichkeit sein.“, eine ganze Gedankenflut auszulösen. Magret Kindermann schreibt Geheimnisse. Ihre Sätze sind codiert, denn sie erzählen auf der ersten Ebene die Geschichte und bringen sie voran, und auf der zweiten Ebene erzählen sie vom Leben. Von all seinen Fragen. Meist entdeckt man in den zweiten Ebenen auch einen Hinweis zur Antwort. Das, liebe Leser, ist Kunst! Geht und entdeckt diese wundervolle talentierte Autorin!

Luc und sein Tagebuch. Ach. Der Schneepoet von Nika Sachs wurde bereits vor Erscheinen heftig diskutiert; ganz besonders ging es um die Frage, welches Werk etwas in den (großen) Verlagshäusern zu suchen hätte und warum und wer das zu entscheiden hat. Spannende Frage? Unbedingt! Und es ist nur eine von ersten Wellen, die sich momentan zu einem Meer auftürmen, welches die sichere Küste der Verlage umspülen will und wird. Auch darauf können wir sehr gern zurückkommen. Doch nun zum Schneepoet. Einen Tagebuchroman lesen klingt riskant? Natürlich! Warum man das Risiko dennoch eingehen sollte?

Zum Glück hört er mir weitesgehend vorwurfsfrei zu und ködert meine Kooperation bezüglich emotionaler Offenheit mit einem Versprechen. Ich weiß, dass er es halten wird, da ist er konsequent. Ich soll ihn jederzeit mit meinem Beziehungsschutt zumüllen. Solange ich mich um Lösungsansätze kümmere, ist er frei von Zynismus für mich da. Wenigstens etwas. In den letzten Jahren war sein allerwelthassender Sarkasmus oft genug ein Streitpunkt zwischen uns.

(Zitat aus Schneepoet von Nika Sachs, TWENTYSIX)

Nika Sachs redet gern in Schachteln, nicht nur, wenn es sich um Monologe handelt. Das Besondere an ihren verwobenen Sätzen ist das Ausmaß. Man verleibt sich dieses 5-Gänge-Menü von einem Satz ein, und erst nach einiger Zeit gelangt die Aussage über den Blutkreislauf ins Hirn und fängt dort an, Gedankengänge anzukurbeln, die schon mal einige Tage dauern können. Mitunter auch Wochen. Zuerst schmeckt man Sarkasmus und Ironie, mit ganz feinem Wortwitz im Abgang. Und dann, während der Verdauung, wird einem klar, dass es ja gar nicht witzig war, was da gesagt wurde. Dass es wahr und tragisch und echt ist. Unheimlich authentisch. Vielleicht ist es ja auch Zwang, dass man schmerzhafte Wahrheiten in buntes Papier einwickeln muss, damit man mehr Spaß am Auspacken hat? Nika Sachs gelingt das. Und das ist Kunst. Das, liebe Leser, ist Kunst!

Das dritte Werk ist ein Krimi von Bestsellerautorin Nicole Neubauer. Krimis lese ich kaum, darum ein doppeltes Juhu! Scherbennacht ist der dritte Teil der Waechter Reihe, und wurde bald nach Erscheinen als der beste gehypt. Ich war skeptisch. Niemals, dachte ich, kann ein Band meinem Schatz Moorfeuer (2.Teil) das Wasser reichen. Tja. Nun sitze ich da. Tatsächlich ist der dritte Teil der beste. Ich weiß gar nicht warum 😉 Er ist urban, zwar noch regional, doch für mich als Leser nicht mehr um die Ecke mit dem Donaumoos und Schauplätzen hier im Nachbarort. Warum also? Zuerst einmal ist die Scherbennacht ein wahrer Pageturner. Blödes Wort, doch ich benutze es, weil ihr alle wisst, was damit gemeint ist. Ich saß auf der Couch, außer Atem, die Decke um die Schulter gezogen und … weiter weiter weiter! Nicole Neubauer zaubert ohne Monologe und Schachteln. (Na klar, Krimi!) Es ist mir ein Rätsel, wie man es rein durch Dialoge und Handlungen schafft, Personen so klar zu zeichnen und ihnen einen Charakter anzuheften. Dies kommt mit einer Selbstverständlichkeit daher, dass ich ganz baff bin. Und die Autorin ist geduldig. Vielleicht erzählt sie gar stoisch. Sie weiß ja alles über ihre drei Protagonisten, und die sind alle nicht ohne, ganz und gar nicht! Dennoch wartet sie und findet dabei immer das richtige Tempo. Ich persönlich wollte im ersten Teil schon wissen, welches Geheimnis Waechter mit sich trägt, doch die Autorin kann ausharren und bringt mich als Leserin dazu, es ebenfalls zu können. Auch das ist Kunst! Das, liebe Leser, ist Kunst!

„Und der arme alte Waechter ist mal wieder der Letzte, der das erfährt.“ Er grunzte und stellte ein alkoholfreies Bier auf sein Tablett. „Ach, Michi. Du weißt, dass er gerade erst mit einem Wahnsinnigen mit einer Maschinenpistole diskutiert hat. Er hat das großartig gemacht.“ „Überfordert gewesen, alle Regeln gebrochen, ohne jeden Plan in die Gefahr gerannt und trotzdem am Ende irgendwie das Schwert aus dem Feuer gezogen.“  „Yeah, so kennen wir Hannes. Großartig.“

(Zitat aus Scherbennacht von Nicole Neubauer, Blanvalet)

Ich bedanke ich bei den Autorinnen für diese Geschichten! Sie sind ein Stück Kunst, an dem ich teilhaben darf, und dafür bin ich dankbar. Nicht nur für den Lesegenuss und für die Suche nach Antworten auf Fragen, die diese Werke gar kunstvoll in mir wecken, sondern auch für Inspiration und Vorbild.

Und nun, liebe Leser, lest diese Werke. Und erzählt mir von euren Highlights 2017!

Liebe Lesegrüße und ein buchstabenreiches Restjahr.

Schöpfen und Schreiben.

Ich möchte mich ganz herzlich bei euch bedanken! Ich bin überwältigt, wie viele Reaktionen ich auf meinen letzten Beitrag von euch bekommen habe, die meisten auf Twitter, einige in Mails. Vielen Dank!

Die Essenz aus dem, was ihr mir geschrieben habt, ist für mich: Disziplin. Egal, ob ich mich in Geduld üben sollte, warten, am aktuellen Projekt arbeiten, überarbeiten – all das hat mit Konsequenz zu tun. Mit euren verschiedenen Erfahrungen und Konflikten, die euch beim Schreiben begegnen und wie ihr damit umgeht, habt ihr mich nicht nur inspiriert, sondern auch motiviert. Ihr habt mich geschubst. Schreiben ist Arbeit. Das, was nach der Idee kommt, nach der Manie, nach dem Drang, sie einzufangen und so auszuleuchten, dass sie dem Bild im Kopf zumindest nahe kommt, ist anstrengend.

Weltenwandler zum Beispiel sagt: „Die Ideen sind nicht beleidigt, wenn sie irgendwo warten, bis das aktuelle Projekt fertig ist. Man kann auch nur in Ideen leben, willst Du?“

Tja, da hat er mich ordentlich erwischt 😉

Francis bringt es ebenfalls auf den Punkt: „Man hat ja leider nicht die Zeit, um an allem gleichzeitig zu schreiben. Da muss man halt Prioritäten setzen.“

Richtig. Das gehört zur Arbeit des Schreibens.

Magret ist diszipliniert und treu: „Wenn ich ein Projekt beendet habe, will ich es erst überarbeiten, ich will dann gar nichts anderes anfassen.“ Ein guter Tipp von ihr: „Eine Stunde arbeiten, ein Stunde etwas anderes machen.“ Sozusagen Pflicht und Kür auf der Waagschale. Auch sagt sie etwas sehr interessantes, worüber ich seitdem nachdenke: „Etwas Neues anfangen, während Dinge noch nicht beendet sind, ist anstrengend. Das ist für mich unbefriedigend.“

Ha! Das stimmt! Daraus kann ich gut für mich schöpfen. Es ist tatsächlich Mehrarbeit, da das nicht fertige Projekt im Hinterkopf jammert und quengelt und Raum und Energie beansprucht. Raum, der für das Neue vonnöten wäre.

„Du schuldest es dem Projekt, dass du es von vorn bis hinten führst und das Beste aus ihm herausholst. Vielleicht hilft dir dieser Gedanke.“ Ja, das tut er. Vielen Dank dafür, liebe Magret!

Manfred leidet ebenfalls am Gedankenüberschuss. Er löst es mit Struktur: „Mit meiner Lektorin hatte ich einen festen Zeitplan festgelegt, und nach ihm gearbeitet. Und manches Kopfkino muss ich gar nicht aufschreiben. Das reicht dann, wenn es in mir abläuft.“ Hm, sehr interessant. Er hat recht. Manche Geschichten sollte ich vielleicht einfach für mich behalten. Auch darüber denke ich nach.

Und nun schließe ich die offenen Dateine mit angefangenen Dingen und überarbeite mein aktuelles Herzprojekt. Ich danke euch!

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Was Wie Wo schreiben?

Nach der Inspiration kommt der Leerlauf, oder?

Als Autorin bin ich ja am meisten auf Twitter unterwegs, wo man viel mitbekommt, woran die anderen Schreiber so leiden. Die zwei häufigsten Leiden: Ideenmangel und Ideenüberschuss. Ich leide an letzterem. Und immer mehr frage ich mich, ob es wohl eher Managementmangel heißen sollte.

Dass ich leidenschaftlich schreibe, wisst ihr ja schön länger. Ich brauche diese Leidenschaft, eine Idee muss mich einholen, muss mich fangen und festhalten. Sie geißelt mich so lange, bis ich mir ihrer in dem Ausmaß angenommen habe, wie sie es verdient hat. So geschehen mit Das Flüstern der Pappeln. Auch das letzte Herzprojekt habe ich in einigen Wochen wahnhaft niedergeschrieben, mitten in der Abschlussphase meines großen Projektes „Nathen“.

Natürlich ist das Risiko namens Prokrastination extrem hoch, wenn man einen Ordner voller neuer Geschichten, Gesichter und Kribbeln hat. Kann es also sein, dass ich mich so davor drücke, bestehende Projekte zu überarbeiten, auseinanderzunehmen und anders wieder zusammenzusetzen? Sie auszubauen; kürzen, ändern, besser machen?

Wie geht es euch hinsichtlich dieser Situation? Kennt ihr sie überhaupt? Wie geht ihr damit um? Habt ihr Tipps für Zeitmanagement, macht ihr Pläne? Und woher holt ihr Motivation für Schreibstunden, an denen man sich seufzend an das Projekt setzt?

Liebe hoffnungsvoll seufzende Grüße …

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Sehnsucht, Fernweh und Kontraste – Im Gespräch mit Vanessa Glau.

Die Veröffentlichung der Anthologie rückt immer näher! Wir sind alle sehr aufgeregt und irgendwie in panischer Freude versunken. Hier spreche ich mit Vanessa Glau über ihre Kurzgeschichte und das Schreiben.

 

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Vanessa Glau

Das Papierstudio

@VanessaGlau

 

 

 

 

 

 

Herzlich Willkommen in den Sehnsuchtsfluchten, liebe Vanessa!

Dankeschön! Ich freue mich sehr, dass ich dabei bin.

Das Thema der Anthologie ist ein großes: Emotionen. In deiner Geschichte „Gespräche mit Bergen“ findet sich einiges, das Emotionen auslöst. Hast du die Geschichte extra für die Sammlung geschrieben?

Ja, habe ich. Wenn ich mich richtig erinnere, bin ich zu einer Zeit auf Nikas Aufruf gestoßen, als es langsam wieder warm wurde und ich ziemlich heftiges Fernweh bekam. Das hat sich möglicherweise in der Geschichte niedergeschlagen.

Fernweh. Eine Sehnsucht, die viele Regungen in Menschen weckt. Du schickst deinen Protagonisten auf eine Reise in die Wildnis. Inwieweit suchst du in ihm dich selbst? Und in deinen Protagonisten allgemein?

Auf jeden Fall teile ich seine Sehnsucht nach den Bergen, dem Alleinsein. Hier in Österreich gibt es wunderbare Berge, aber Wanderwege sind auch gut besucht. Ich hoffe, dass ich mal ein paar ruhige Tage allein mit mir und der Natur verbringen kann. Natürlich gebe ich jedem meiner Protagonisten etwas von mir mit, um ihn gut schreiben zu können, aber ich versuche auch, mich nie auf denselben Aspekt zu konzentrieren. Das ist ein schöner Effekt beim Schreiben, dass man sich selbst sozusagen von verschiedenen Seiten betrachten kann.

Auf denselben Aspekt. Du meinst, den Fokus zu sehr auf einer bestimmten Charaktereigenschaft zu haben?

Ja, zum Teil. Aber ich achte auch darauf, dass meine Protagonisten sich untereinander nicht zu sehr ähneln. Klar, ich kann nur aus mir selbst heraus schreiben. Aber wenn ich nicht variiere, könnt ich genauso gut immer dieselbe Geschichte wiederholen und würde schreibtechnisch nie vom Fleck kommen.

Du sprachst die Einsamkeit an. Dein Protagonist sucht sie. Er scheint verschwinden zu wollen, er ist auf der Suche nach dem Nichtsein. Ist es beabsichtigt, dass im Gegenzug seine Freunde für die gesellschaftlichen Pflichten stehen, die an ihm zerren?

Ja. Ursprünglich waren diese Szenen nicht geplant, aber beim Schreiben habe ich schnell gemerkt, dass ich einen Kontrast zu seiner Zeit auf dem Berg brauche. Es sind nicht einmal gesellschaftliche Pflichten, sondern wohltätige und Protestaktivitäten, zu denen seine Freunde ihn überreden wollen. Sie meinen, wenn er nichts Besseres zu tun hat, kann er ebenso gut dabei helfen, die Welt zu verbessern. Dabei kann es genauso wertvoll, wenn nicht sogar wertvoller sein, zunächst an sich selbst zu arbeiten.

Der Kontrast war nötig? Magst du das erläutern?

Wenn ich diese Szenen nicht hinzugefügt hätte, wäre weniger klar gewesen, warum er unbedingt auf den Berg steigen wollte. Außerdem konnte ich seinen Hintergrund ein wenig beleuchten, etwa dass seine Freunde ihn als leidenschaftlichen Bergsteiger kennen oder dass er nicht sehr sozial ist – vielleicht auch kein Interesse daran hat, sich vor anderen zu erklären. Ohne diese Szenen wäre die Geschichte weniger interessant geworden, denke ich.

Du wählst als Rückzugsort, als Entschleuniger, den Berg. Überhaupt liest man bei Dir sehr liebevolle Worte zu Wiese, Grün und Blatt. Wie wichtig ist Dir die Natur in Deinen Erzählungen?

Es ist witzig, in letzter Zeit schleicht sie sich fast von selbst in so gut wie jede Geschichte hinein. Ich bin auf dem Land aufgewachsen und in letzter Zeit ist mir noch stärker aufgefallen, wie sehr ich die Wiesen und Felder liebe, die ich so gut kenne. Auch die Berge, die ich im Sommer oft besuche. Vielleicht dient das Schreiben über die Natur auch als kleiner Ausgleich, da ich im Alltag gezwungenermaßen sehr viel vor dem Computer sitze.

Ich nehme sozusagen vorweg, was ich an freien Tagen bei schönem Wetter unternehmen möchte.

Oh, da klingt ordentlich Sehnsucht raus.

Dennoch haben wir auch Bedrohliches in der Geschichte: Die Klettertour, der Sturm, der Hunger.

Ja, da sind auch kleine Schnipsel aus meiner Erfahrung drin. Etwa wenn man beim Wandern einen Bach überquert und abwägen muss, ob man den Sprung schafft oder nicht. Fußstellung, Winkel, Kraft hinter dem Absprung. Dort, wo ich bisher unterwegs war, besteht zwar keine Gefahr, aber was ist, wenn man sich in einem unbewohnten Gebiet den Knöchel verstaucht?

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Wir haben jetzt die Emotionen als wichtigen Zusatz erörtert. Wie sieht es aus, wenn Du liest? Wie wichtig ist es Dir, Gefühle in Texten zu finden? Wie erreichen sie Dich?

Das ergibt sich zum Teil aus den Genres, die ich gerne lese, besonders bei romantischer Fantasy. Meist sind es die Gefühle zwischen Charakteren, ihre Beziehung, die durch fantastische Aspekte oft vor neue Herausforderungen gestellt wird. Magie verleiht der Handlung oft zusätzlich Farbe und ich lese immer wieder gerne darüber, wie Charaktere mit scheinbar unmöglichen Phänomenen umgehen.

Natürlich finden sich auch in realistischen Geschichten intensive Gefühle … aber ich gebe zu, dass ich mich am meisten zu Unerklärlichem hingezogen fühle, über das die Charaktere staunen oder vor dem sie sich vielleicht fürchten

Eine sehr schöne Antwort! Dann suchst Du in einer Geschichte neben Dir selbst auch ein wenig Abenteuer?

Ja, wie gesagt liebe ich Fantasy und die bunten Welten, die dabei entworfen werden. Nicht zuletzt als Übung für die Vorstellungskraft. Maggie Stiefvater, die ich sehr bewundere, hat einmal gesagt, dass gute Bücher sie in eine andere Welt entführen müssen. Der Meinung bin ich auch. Es kann etwas ganz Kleines sein wie ein exotisches Land oder eine revolutionäre neue Sichtweise auf Altbekanntes, aber eben auch etwas Großes wie eine Fantasywelt.

Wenn wir über das Handwerk beim Schreiben reden: Denkst Du, dass es bestimmte Kniffe gibt, wie man Emotionen beim Leser wecken kann?

Ich bin sogar sicher, dass es viele Kniffe gibt. Allerdings schreibe ich selbst eher instinktiv und habe gerade erst begonnen, den Prozess etwas überlegter anzugehen. Bisher habe ich Gefühle immer an Charakteren festgemacht. Sie sind es, die ich zum Leben erwecken will, damit der Leser intensiv mit ihnen mitfühlt.

Da ist er doch, der Kniff! Das gelingt dir übrigens sehr gut!

Danke!

Die Anthologie war zugleich ein Experiment, eine Art Gruppenarbeit. Wie empfandest du diesen Prozess?

Jedenfalls nicht wie Arbeit. 😉 Zunächst habe ich schon lange nicht mehr so konstruktive Kritik zu einer Kurzgeschichte bekommen und noch nie so viel überarbeitet. Außerdem hatte ich Spaß bei dem Austausch mit unserer Lektorin und den anderen Autoren – vor allem auch bei Diskussionen über Sprache und darüber, was geht und was nicht.

Und ein angenehmer Nebeneffekt war die Entdeckung so vieler interessanter Werke anderer Autoren (wie etwa von dir, Julia!), die ich teils schon gelesen und teils noch auf meiner Liste habe.

Das freut mich sehr! Und mir ging es ganz genauso! Es ist wahnsinnig toll, schreibende Menschen ganz ohne Neid und Missgunst zu erleben. Und gelernt habe ich ebenfalls eine Menge in diesen Monaten.

Liebe Vanessa! Wir danken dir von Herzen für dieses wunderbare Interview!

Ich bedanke mich für die spannenden Fragen!